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say my name (10|16) - June - 05.07.2021 Kapitel 10 I told you Deans PoV Deans Hand schlang sich vor seinem geistigen Auge von hinten um Steves Hals, nicht brutal und schmerzhaft, sondern sanft, aber fest, geladen mit der Lust und Extase, die gerade durch seinen Venen schoss. Er könnte Steves rasenden Puls unter seinem Daumen spüren, seine weiche Haut an seinem Nacken, das Kitzeln der dunklen, unordentlichen Locken, das erregte Zittern, das durch seinen Körper stob. Er könnte Steves Grinsen vor sich sehen, heiß, voller Erregung und Genuss, das mit jedem festen Stoß, den er in ihn trieb, durch ein keuchendes, raues O ersetzt wurde. Steve würde versuchen, ihn anzusehen, mit diesen unfassbar tiefen, blauen Augen, dunkel und undurchdringlich wie Ozeane, versuchen, den Blick zu halten und es doch nicht schaffen, wenn die pure Lust mit jedem kräftigen Stoß von Dean durch seinen Körper stoben würde. Dean würde ihn halten, gegen die Wand der Dusche pressen, Steve auf seinen Hüften, sodass er immer tiefer und tiefer in ihn eindringen könnte, seine Hand in Steves weichem Nacken, haltend, wohltuend, oh Fuck, er wusste, Steve würde es gefallen, seine Hand an seinem Hals zu spüren. Mit jedem Ruck seiner Hüften in Steves heiße, zuckende Enge würde seine Stimme dunkler werden, tiefer, lauter, bis das raue, reißende Gurgeln Dean vollständig umschlang und mitriss, wie ein Riesenkalmar, der ihn in die Tiefe zog. Er könnte sonst nichts mehr hören, nur das Stöhnen, Keuchen und Japsen von Steves Erregung, das durch die Dusche schallen würde, gegen ihn prallen würde: Er könnte es spüren, wenn es sich dunkel und tief wie ein Grab durch Steves Hals zwängen würde. Deans Keuchen wurde lauter, unkontrollierter, genau wie die Stöße in seine Faust, in Steve, und er kämpfte gegen das erregte Zittern seiner Muskeln, gegen die unerträgliche HItze in seinen Venen und gegen das pochende Ziehen in seinen Lenden. Nach jedem kräftigen Stoß in seine Hand, versuchte er einen weiteren zu machen, härter, fester, tiefer, nur noch einen Moment mit seinem Steve unter der Kaskade des Duschkopfes, nur noch einen Moment länger spüren, wie seine Adern in der Hitze seiner Erregung glühten. Steve würde sich an ihm festhalten, die schlanken, langen Finger in seine Schultern rammen, sich gegen ihn drücken, tiefer, fester, schneller, sich mit ihm bewegen, während das kratzende Stöhnen seiner Grabesstimme an seiner Haut reißen, über seine Schultern hinab rollen würde, bis sie wund war. Dean könnte sein eigenes Stöhnen in Steves Nacken vergraben, eng an ihn gepresst, den Geruch von Sturmwolken und Sommerregen einatmen, der in Steves Haaren und seiner Haut hing. Seine Bewegungen wurden immer unkontrollierter, unruhiger und er biss sich fest auf die Unterlippe. Nur - noch - einen-! Steve würde in der Hitze seiner eigenen Ekstase, in dem Moment, in dem er selbst die Grenze überschritt, seinen Körper gegen ihn pressen, Dean komplett in sich rammen, tief, heiß, eng, während das raue Rauschen der Grabestiefe seinen Namen schreien- Dean knurrte kehlig, die Lippen fest zusammen gebissen, als sein Orgasmus ihn mit sich riss. Er kam heftig und heiß gegen die Wand der Dusche. Seine Beine wurden weich, die Stöße in seine Faust unkoordiniert, aber nicht weniger heftig. Er musste sich abstützen, die Augen schließen, während er die letzten glühenden Tropfen aus seinem rot glänzenden Glied pumpte, das Bild von Steves lustverzerrtem Gesicht noch vage vor ihm. “Fuck”, seine Stimme war rau und er schluckte, ehe er unter dem Prasseln der Dusche einen tiefen Atemzug nahm. “Fuck.” Er konnte die Hitze in seinen Adern spüren, pulsierende, heiße Extase und wie sie langsam seinen Körper verließ, während die Dusche alle Beweise mit in den Abfluss nahm. Verdammt, er musste damit aufhören. Dean schloss noch einmal die Augen und atmete ein letztes Mal tief durch, ehe er sich die Hand wusch und dann durch seine Haare fuhr. Er musste wirklich damit aufhören. Es ging ihm dabei nicht ums Mastubieren; Verdammt noch mal, das war ein freies Land und alles, was die Rakete zum Starten brachte, brachte sie nun mal zum Starten. Steve war ein erwachsener Mann, er war ein erwachsener Mann, es gab daran also kein Problem. Dass Steve in einer Beziehung war (einer falschen und schlechten Beziehung, deren Konterpart er am liebsten an den Sackhaaren zur Polizei zerren würde), war auch nicht sein Problem. Aber er musste aufhören, ständig an Steve zu denken. Also, natürlich dachte er nicht ständig an Steve. Genoß er es, ihn sich vorzustellen, voller Lust und heißer Erregung, während Dean in ihn hämmern und ihn kommen lassen würde? Ab-So-Lut! Hatte er die nervige Angewohnheit entwickelt, ständig sofort auf sein Handy zu sehen, sobald er eine Nachricht erhielt, weil er wissen wollte, ob sie von Steve war und ob es ihm gut ging? Vielleicht. … War er die zwei Wochen, nachdem Steve ihm geschrieben hatte, er sollte sich nicht mehr melden, unleidlich, leicht zu reizen und frustriert gewesen? - Nur laut Charlie und Sam und was, bitte, wussten die beiden schon? Dean seifte seinen Körper ein, brummte wohlig, als er bei seinem empfindlichen Glied ankam, die Erinnerung an Steve wieder einen Moment lebhaft und kräftig vor seinem inneren Auge, ehe er schief grinsend auch den Rest wusch, sein Haar shampoonierte und dann den Schaum abspülte. Das Problem war vermutlich auch nicht, dass er ständig an ihn dachte, was er - nochmal - nicht tat. Aber sogar ihm war klar, wen- falls er an ihn dachte, wie er an ihn dachte. Dean seufzte tief bei dem Gedanken. Er wusste nicht, wie das passiert war, wann oder warum, aber Steve war wie ein Leuchtfeuer, das all seine Aufmerksamkeit auf sich zog - Charlie brachte an dieser Stelle der Diskussion meistens einen weniger hilfreichen Vergleich mit dem Auge des Sauron und dem Einen Ring. Er verdrehte bei der Erinnerung die Augen, stieg aus der Dusche und griff nach seinem Handtuch. Aber Fakt war, Steve faszinierte ihn; Alles an ihm. Von der ersten Sekunden an, hatte seine Stimme, diese reißende, grabestiefe, Whiskey-Stimme, mit Schluchten zwischen jedem Wort, ihn vollkommen in seinen Bann gezogen, jedes abgrundtiefe Wort nach dem nächsten. Dieses eine, kurze Telefonat hatte schon gereicht, damit Steves Stimme ihn mit sich riss, wie eine Sirene Seefahrer in den Abgrund. Und, verdammt noch mal, er hatte so sehr gehofft, dass Steve nochmal anrufen würde. Dass er ihn nochmal hören könnte, nicht nur immer wieder und wieder und wieder die Aufnahme des Gesprächs und seine Vorstellungskraft unter der Dusche oder alleine im Bett. Oder, dass er wenigstens bei einem anderen Dispatcher rauskommen würde, rechtzeitig, bevor alles eskalieren würde. Dann hatte er ihn gesehen, lebendig, echt, in Farbe, aus Fleisch und Blut und mit diesen durchdringenden ozeanischen Augen, den dunklen, wilden Haaren, den Bartstoppeln. Er hatte gedacht, Steve hätte ihn schon nach dem Telefonat in seinen Bann gezogen, aber spätestens nach dem Tag im Laden- Er hatte ihn vorher schon schwer aus dem Kopf bekommen, aber danach? Er hatte fast täglich an ihn gedacht. Einerseits, natürlich, weil er sich Sorgen gemacht hatte, er hatte das schillernde Hämatom damals nicht übersehen, aber andererseits- Seine Vorstellungskraft hatte ihm mitunter sehr gute Dienste geleistet. Zugegeben er hatte auch nicht daran geglaubt, jemals wieder von ihm zu hören. Er hatte es gehofft, natürlich, sonst hätte er ihm seine Nummer nicht gegeben, aber nachdem er zwei Wochen lang nichts gehört hatte, war er kurz davor gewesen, die Hoffnung aufzugeben. Aber dann hatte unerwartet sein Telefon geklingelt. Dean grinste schief bei der Erinnerung an Steves Anruf, an die Nachrichten, die sie in dieser Nacht ausgetauscht hatten und fuhr sich abwesend mit dem Handtuch über die feuchten Haare. Und ehe er es sich versehen hatte - war er hier an diesem Punkt. Es war ganz natürlich passiert, langsam, wie sich Jahreszeiten änderten und schnell wie ein Gewitterschauer an einem Sommertag. Aber plötzlich war Steve ein Teil seines Tages gewesen; Er schrieb ihm sämtlichen Nonsense, der ihm einfiel und Steve antwortete ihm, enthusiastisch, freundlich, warm. Wenn er ein paar Tage nichts von ihm hörte, weil er mal wieder bei Earl sein musste, machte Dean sich Sorgen und war umso erleichterter, wenn er die nächsten Nachrichten erhielt. Steve hatte sich Stück um Stück in sein Leben geschlichen und Dean bereute es nicht im Geringsten. Er schätzte Steve; seinen Witz, seine Intelligenz - Seine Stärke. Die Art, wie er sprach, diese Stimme, wie er textete und wie Dean sich jedes Wort aus seinem Mund vorstellen konnte, tief, vibrierend und reißend. Steve war echt und authentisch und- Er war- einzigartig. Er war ein besonderer Mensch und er war von besonderer Stärke. Das Grinsen auf seinem Gesicht wurde dünner, schwächer, bis es nur noch fest zusammengepresste Lippen waren: Das Bild von Steves wundem Gesicht, die Platzwunde, die Blessuren, die Würgemale an seinem Hals, dränget sich in seinen Kopf und Dean schluckte einmal schwer, ehe er sich mit der Zunge über die Lippen fuhr. Gott, er hätte Earl- Er hätte ihn am liebsten selbst eine rein gehauen, wieder und wieder und wieder, bis er die Lektion gelernt hätte und seine dreckigen Finger von Steve ließ. Deans Griff um sein Handtuch wurde einen Moment fast schmerzhaft fest, ehe er sich mit einem tiefen Atemzug zur Ruhe rief. Er hatte ihn vermisst, Gott, wie hatte er ihn vermisst, nachdem Steve ihm geschrieben hatte, er solle sich nicht mehr melden und er hatte ein schlechtes Gefühl dabei gehabt. Dean hatte gewusst-, okay, nein. Aber er hatte geahnt, das etwas im Argen war. Wieso sonst hätte Steve ihm Mitten in der Nacht schreiben sollen, dass er “den Kontakt nicht länger aufrecht erhalten konnte”? Die Wörter erzeugten immer noch ein merkwürdiges, übles Gefühl in seinem Mund. Aber er hatte sich - wider besseren Wissens - daran gehalten. Er hatte nicht zurück geschrieben, er hatte ihn nicht angerufen, er hatte die Füße still gehalten, obwohl alles in ihm geschrien hatte, dass das nicht gut war. Verdammt noch mal, er kannte diese Sorte Abschaum, diese Wichser, diese Bastarde, die ihre eigenen Unzulänglichkeiten an anderen ausließen, ihre mickrigen Schwänze oder die eigene Impotenz damit kompensierten, die Haut von Menschen aufzureißen und ihre Knochen zu brechen; von Menschen, die ihnen vertrauten, die sie liebten. Er hatte gewusst, dass Earl nicht aufhören würde, dass es schlimmer werden würde - und er wollte ihm dafür den Schädel brechen! Aber was hätte er tun sollen? Steve hatte keinen Kontakt mehr gewollt, das hatte er akzeptieren müssen. Es war Steves (hoffentlich) Entscheidung gewesen; außerdem, ihn unprovoziert oder unabgesprochen anrufen hätte ihn vermutlich nur in Schwierigkeiten gebracht. Dean wusste nicht, wo er wohnte, verflucht, er wusste ja nicht einmal, wie Steve richtig mit Vornamen hieß! Natürlich, ja, er hätte es schon eine Millionen mal googeln können; den kleinen Laden aufrufen und nachsehen, wie der Besitzer hieß, aber- Er wollte Steves Vertrauen nicht missbrauchen. Steve wollte, dass er ihn “Steve” nannte, das reichte ihm. Dean zog seine Boxershorts und eine Jogginghose an und kämmte die durcheinander geriebenen Haare. Er hatte jeden Tag an ihn gedacht, sich jeden Tag gesorgt, hatte die Anruflisten der täglichen Notrufe nach seiner Nummer durchsucht (was, ja, nicht okay war, aber er hatte sich Sorgen gemacht, okay?) aber - nichts. Um Steve herum war Stille entstanden und Dean- Er hatte keinen “Kummer” gehabt, wie Charlie und Sam es bezeichnet hatten; Er war eben besorgt gewesen. Vielleicht auch etwas enttäuscht, das Steve ihm so einfach den Rücken hatte zu kehren können, auch wenn es dafür sicher einen guten Grund gegeben hatte. Sie hatten monatelang regelmäßigen Kontakt gehabt, es war doch ganz klar, dass er ihn vermisst hatte. Diese ganze Zeit über, hatte er sich erfolgreich einreden können, dass er einfach nur besorgt war - und dass das nur daran lag, dass er wusste, wie solche Geschichten in der Regel endeten. Der Anruf war gekommen, als sie gerade gegrillt hatten; Die ganze Bande - Sam, Eileen, Charlie, Gilda - gemütlich draußen auf der Terrasse, die letzten einigermaßen warmen Oktobertage genießen. Deans Herz war ihm bis in die Fußsohle gerutscht, als er das Schluchzen, Schniefen und Wimmern gehört hatte. Er hätte fast alles getan, um Steve in diesem Moment im Arm halten zu können, ihn zu beruhigen, zu beschützen. Aber er hatte ihn nicht einmal ins Krankenhaus bringen dürfen. Er hätte es wissen sollen, dass das passieren würde. Er hätte wissen müssen, dass so etwas passieren würde und er hätte es verhindern müssen. Aber stattdessen hatte er Steve einfach ins offene Messer laufen lassen. Er war nicht hartnäckig genug gewesen, nicht deutlich genug. Und er hatte ihn allein gelassen. Das einzige, das er dann noch hatte für ihn tun können, waren gemurmelte, beruhigende Wörter in sein Ohr, bis er eingeschlafen war. Dean war innerlich rasend gewesen vor Wut, taub vor Sorge, schwer von Schuld. Ehrlicher Weise hatte er solche Gedanken an dem Abend nicht zum ersten Mal gehabt, aber da hatte es ihn wieder mit voller Wucht getroffen; Dass er Steve halten wollte, beschützen wollte - nicht bemuttern, aber für ihn da sein. Aber nicht nur das; Er wollte seine Hand durch die wilden, dunklen Haare führen, wollte, dass Steve ihn mit seinem durchdringenden Blick tadelnd ansah oder seinen Kopf an seine Schulter schmiegte, während er seine Arme um ihn schlang, dass er mit dieser abgrundtiefen Stimme Wellen voller Lachen gegen seine Ohren rauschen ließ. Er wollte ihn küssen. Langsam und fest, innig, tief, während er ihn hielt, seine Lippen gegen Steves gedrückt, bis seine Zunge über die weiche Haut fahren würde und dann in seinen Mund- Seine Zunge fuhr stattdessen gedankenverloren über seine Unterlippe und Dean räusperte sich unwohl, ehe er sich einmal fast beschämt umblickte, ob jemand - natürlich nicht - mit ihm im Badezimmer sein könnte, der seine Gedanken vielleicht gehört hatte. Aber so sehr er auch wusste, wie töricht und sinnlos das war; weil er und Steve nur Freunde waren, weil Steve ihn brauchte, als Freund, und weil Steve nun einmal in einer Beziehung war, egal wie abstoßend Dean selbst von Earl dachte; Er konnte nicht damit aufhören. Dean hatte es im Gefühl gehabt, am nächsten Morgen, dass Steve sich nicht ausreichend ausruhen würde; Wie sollte er auch, war doch das, wo sich die meisten Menschen ausruhten für ihn der Ort, an dem er Angst hatte. Deshalb war er in aller Frühe, vor seiner Schicht, zum Laden gefahren, hatte die beiden Salben in der Apotheke gegenüber gekauft und hatte gewartet, ob und wann Steve auftauchen würde. Bei seinem Anblick wäre der Zorn beinah mit ihm durchgegangen. Gott, er hätte Steve am liebsten gepackt und ihn so lange geschüttelt, bis er ihm gesagt hätte, wo Earl war, damit er ihn- Er hätte mindestens dieselbe Behandlung verdient, mindestens. Impotenter, feiger Schlappschwanz! Er war so wütend gewesen, dass es viel zu lange gedauert hatte, bis er bemerkt hatte, wie viel Angst er Steve gemacht hatte. Es zog kalt in seinem Magen bei der Erinnerung an Steves verkrampfte Hände um die Schreibtischkante und die weiten Augen. Dean war selbst der Idiot, und er schnaubte sein Spiegelbild wütend an. Aber Steve hatte es ihm verziehen, oder viel eher es nicht zugegeben, und sich von ihm helfen lassen. Dean musste schwer schlucken bei der Erinnerung, daran, wie weich und zart Steves Haut unter seinen Finger gewesen war, wie sich seine Hand an seinem Arm angefühlt hatte, warm und fest und passend, seine ozean-blauen, tiefen Augen. Seine Lippen waren so nah gewesen, nur noch Zentimeter entfernt und es hatte ihn alle Überwindung gekostet, in diesem Augenblick keinen Mist zu bauen. Vor allem, da er sehr wohl gemerkt hatte, wie unwohl sich Steve gefühlt hatte: Er hatte seinen Arm festgehalten, um ein kleines Stück Kontrolle über das zu haben, was Dean tat, dazu das ofte, harte Schlucken, dass er nicht gewusst hatte, wohin er schauen sollte, die wacklige Unterhaltung, um seine Nerven zu beruhigen. Dean hatte das alles bemerkt. Aber trotzdem hatte er ihn helfen lassen. Wohl mehr, weil er gemerkt hatte, wie wichtig es Dean gewesen war - auch wenn es wirklich wichtig für Steve gewesen war. Immerhin, seine Verletzungen schienen nicht schlimmer zu sein, als es den Anschein hatte. Wenigstens das. Letztendlich hatte er auch keinen Mist gebaut; Er hatte Steve helfen können - und das Privileg wiedererlangt, mit ihm zu schreiben. Sein Blick huschte zur Uhr; Er hatte heute die Frühschicht gehabt und war vorhin erst nach Hause gekommen. Steve wäre mit ziemlicher Sicherheit noch im Laden. Ein schiefes Lächeln zuckte Deans Mundwinkel nach oben. Heute war er, der Mittwoch nächste Woche, und er konnte es kaum erwarten, Steve anzurufen. Und - ja - genau das war die problematische Art, wie er an Steve dachte. Aber damit konnte er umgehen; Steve und er waren Freunde und Dean war es wichtig, dass es so blieb. Diese Schwärmerei hatte er im Griff. Er war Steves Freund, ein guter Freund, um das mal zu zitieren und das reichte aus. Er hatte ihm am Tag nach dem Laden geschrieben, natürlich nur, um zu sehen, ob die Verschlüsselungseinrichtung für Steves Messenger-App funktioniert hatte - und Steve hatte geantwortet. Seitdem texteten sie fast wieder jeden Tag, außer an den Wochenenden, natürlich, wenn Steves es wegen Earl nicht riskieren konnte. Deans Lächeln wurde breiter und er zog sich ein altes Band-T-Shirt über. Es tat ihm gut, mit Steve zu texten und er glaubte daran, dass es auch ihm gut tat, sonst würde er nicht antworten, richtig? Er öffnete das Fenster im Badezimmer, um den heißen Wasserdampf nach draußen zu lassen, hängte die Handtücher auf und ging in sein Schlafzimmer zurück. Er würde Steve fragen, wie sein Tag lief, ob die Rebellen-Barbie (Claire, ja, Dean kannte ihren Namen, nein, es interessierte ihn nicht) ihm weiter auf die Nerven ging, und Charlie interessierte sich rege für das “Supermarkt-Teenage-Liebesdrama” und wollte diesbezüglich bestimmt auch ein Update. Seine Augen glitten routiniert über sein Bett, wo er sein Handy abgelegt hatte. Dachte er zumindest. Seine Stirn runzelte sich, er hob Kissen und Decke an, bückte sich, um unter dem Bett nachzusehen, unter dem Nachtkästchen, darauf, dahinter. Hmpf. Vielleicht auf der Kommod- Nein. Dean kratzte sich am Hinterkopf und ging zurück ins Badezimmer, vielleicht hatte er es doch noch in der Jeans gelassen? Aber weder die Jeanstaschen noch der Rest des Wäschekorbes gaben sein Handy preis. Das konnte doch nicht sein! Er hatte es auf jeden Fall zu Hause in der Hand gehabt, es konnte also auch nicht in Baby sein, oder in der Arbeit. Wo zum Teufel? Seine Augen verdrehten sich genervt, von sich selbst und er tappte barfuß die Treppe hinunter. Charlie könnte ihn anrufen, dann würde er ja hören, wo es war. Am Ende hatte er es im Kühlschrank liegen lassen, als er sich vorhin eine Cola rausgenommen hatte, oder so einen Quatsch. “Hey! Halt, leg nicht auf- Warte, ist das ein Türrahmen? Wow, ich dachte, du wärst kleiner!” Charlies Stimme schallte flötend und fröhlich vom Wohnzimmer aus in den Flur. Dean seufzte gedanklich und war schon dabei, anstatt zum Wohnzimmer in die Küche abzudrehen, um selbst im Kühlschrank nachzusehen, da er Charlies Telefonat nicht stören wollte. Dann eben später, solange er sein Handy bis heute Abend wieder hat- “Entschuldigung- Ich- Ich versteh nicht-?” Reißende, tosende, tiefe Wellen rollten über seinen Körper, umwirbelten seinen Kopf, tropften von seinen Ohren bis in seine Knochen und spülten ihm den Boden unter den Füßen weg, ließen ihn wie Treibgut im Sand einsinken. Steve. Was zum Teufel?! Wieso sprach Charlie mit Steve? - Woher hatte sie überhaupt seine- Oh, diese kleine-! Dean tat einen tiefen, tiefen Atemzug. Er wollte das Wohnzimmer stürmen, Charlie sein Handy entreißen und sie fragen, was das sollte! Er wollte wütend und entrüstet sein! Sein Handy zu klauen, um Steve anzurufen! Das-! Nochmals schnaubend ging er in Richtung Wohnzimmer - und blieb im Türrahmen stehen, die Arme missmutig vor der Brust verschränkt und beobachtete Charlie. Sie saß mit einem breiten, fröhlichen Grinsen im Schneidersitz auf der Couch, die feuerroten Haare locker hochgesteckt, vermutlich wieder mit ihrem Hermine-Zauberstab, und hielt sein Handy videochattauglich nach oben. Ja, das war absolut nicht in Ordnung und er würde das gleich beenden!- Er wollte aber auch wissen, wieso sie Steve angerufen hatte… Er könnte ja noch einen kurzen Moment warten. “Ich bin Charlie! Du erinnerst dich? Deans Mitbewohnerin?” “Ich- Ja, natürlich. Charlie, ich- ich freue mich, dich kennenzulernen, aber-” Er konnte die Verunsicherung in dicken, rauen Tropfen auf Steves Stimme hören und es zog kalt in seinem Magen. Nach allem, was Dean bisher von dem anderen mitbekommen hatte, tat sich Steve ohnehin nicht leicht mit Vertrauen, was nicht weiter verwunderlich war; Dass Charlie sein Handy gekapert hatte, half bestimmt nicht. Immerhin, Steve vertraute ihm nicht mal mit seinen Namen! “Ja! Freut mich auch! Und - wow - hammermäßige-” Charlie hörte die rauen, wackelten Endungen seiner Worte nicht und Dean sprang in Aktion; Er könnte Charlie auch später fragen, was sie von Steve wollte (und wieso zum Teufel sie sein Telefon dafür klaute und ihn nicht einfach fragte!) aber jetzt wollte er den anderen erstmal aus seiner Unsicherheit befreien. Dean machte einen nachdrücklichen Schritt ins Wohnzimmer, während er sich streng räusperte. Sie brach Mitten im Satz ab und drehte den Kopf fast schockiert zu ihm. Deans Lächeln wurde gefährlich süß. “Hallo Charlie. Gerade wollte ich dich fragen, ob du wohl mein Handy gesehen hast?!” “Uhhh, Dean! Hi! - Das- schön, dass du da bist!” “Charlie-” “Ich dachte, du wärst noch, du weißt, uh- duschen!” “Charlie-” Er konnte selbst spüren, wie seine Nasenflügel sich in dem strengen Atemzug blähten. “D-Dean?” Charlie drehte wie auf Kommando das Handy in seine Richtung, sodass Steve ihn und er Steve sehen konnte und sein puderzuckersüßes, gefährliches Lächeln verlor schlagartig an Schärfe und seine Schultern sanken aus der angespannten Haltung in eine lockere. Vollkommen von selbst wurde es warm und freundlich und er lächelte Steve an. Er sah gut aus, besser, auf jeden Fall. Die Platzwunde an der Stirn war gut zugeheilt, die Würgemale an seinem Hals verschwunden und auch die Prellung um die Platzwunde und das Hämatom am Kinn verschwammen mit sanften Gelb- und Grüntönen mit seiner Hautfarbe. “Heya, Steve. - Entschuldige mich kurz.” Damit machte er einen Satz nach vorne, um Charlie das Handy abzunehmen, aber sie sprang mit einem lauten Quietschen von der Couch auf und hechtete hinter den Couchtisch, Steves Videochat immer noch offen und erhoben. Dean sprang über die Rückenlehne der Couch und bezog ihr gegenüber Stellung. “Charlie: Gib. Mir. Mein. Handy!” “Sorry, Dean, aber - das ist nur zu deinem eigenen Besten! Zu eurem Besten!!” Was? Schwachsinn! Dean machte einen Satz nach links um den Couchtisch herum, aber Charlie konterte mit demselben Manöver und wieder befanden sie sich direkt gegenüber. Sie zog herausfordernd die Augenbraue hoch, wackelte provozierend mit dem Handy und Dean grinste kopfschüttelnd. Er wollte gerade dazu ansetzen, ein neues Manöver zu starten, als Steves angestrengter Atem durch die Leitung rauschte. “Entschuldigt bitte, aber ist meine Gegenwart hierbei von Nöten?” Ohne, dass er etwas dafür tat, wurde Deans Körperhaltung wieder entspannter, ruhiger, während er zu dem Handy sah und hoffte, dass er einigermaßen in Steves Blickfeld war: “Nein, schon in Ordnung, Steve, ich ruf dich spät-” “DOCH!” Sogar Dean zuckte bei Charlies lautem Ausruf zusammen und blickte sie überrascht an. Sie seufzte gedehnt, drehte die grünen Augen nach oben und blies sich eine verirrte, rote Strähne aus dem Gesicht. “Tut mir wirklich leid, Dean, aber das ist wirklich zu deinem Besten!” Sie machte einen Satz nach hinten, stieg auf die Couch und über die Rückenlehne, offenbar um etwas mehr Platz zwischen sich und Dean zu bringen und brachte sich wieder in den Fokus der Kamera. Was zum Teufel wollte sie von Steve? “Steve, pass auf: Dean überlegt schon ewig, wie er dich das Fragen soll-” Die vorherige Neugier wich schlagartig kaltem Entsetzen. Nicht, dass er Charlie nicht blind vertrauen würde, aber- Oh- Gott. Was hatte sie vor?! “Charlie?!” Sein Protest verhallte unbeachtet. “Aber da uns langsam die Zeit davon läuft, habe ich entschieden zu intervenieren:” “Charlie!” Was hatte er ihr erzählt? - Fast alles. Shit! “Möchtest du am Samstag mit uns zur Halloween-Party?” Dean, mittlerweile am Couchtisch vorbei und selbst auf dem Polster der Couch, verharrte Mitten in der Bewegung. “Was?” - “Was?” Steve schien gleichermaßen verwirrt. Charlie, er konnte es in dem kleinen Fenster des Videochats sehen, verdrehte die Augen. “Eine Halloween-Party, Steve. Nichts großes, unser Kumpel, Benny, hat ein Restaurant und wir feiern ein bisschen. Kostüme, Bier, Musik, ein ganz ungezwungener, lustiger Abend. Also, falls du dieses Wochenende sonst nichts vorhast…” Sie machte eine ausladende Geste und starrte ihn mit großen, aufgerissenen, grünen Augen auffordernd an. “I-ich, ich weiß nicht-” Dean stand immer noch erstarrt auf der Couch und- wartete. Natürlich hatte er mit Charlie darüber gesprochen, wie gerne er Steve zu der Party einladen würde - aber dann hatte es erstmal die Funkstille gegeben und seither hatte er sein Glück nicht überstrapazieren wollen (immerhin kam er nicht umhin zu bemerken, dass der Kontaktabbruch geradezu direkt auf die Frage gefolgt war, ob er Steve mal zu einer Spritztour einladen durfte). Steves Augen, die über den Videochat nicht annähernd so tief wirkten, wie sie waren, glitten zu ihm und Dean schluckte unwillkürlich, ehe er schief lächelte. Er hatte es sich vorgestellt, wie er Steve fragte, wie Steve mit ihnen zu der Party gehen würde; Er könnte ihn dann vielleicht lachen hören, sehen, wie seine Augen kleiner wurden, weil ein breites Grinsen sie zusammen schob, während die reißenden, rauen Wellen seiner Stimme zu einem rauschenden, schäumenden Lachen wurden. Er könnte ihn all seinen Freunden vorstellen, die Steve in ihrer Runde willkommen heißen und ins Herz schließen würden, fast so wie er es getan hatte, nachdem er nur ein paar Sätze mit ihm gesprochen hatte. Er könnte mit ihm Bier trinken und die Köpfe zusammenstecken, um sich im Schall der lauten Musik zu unterhalten. Er könnte Steve fragen, ob er tanzen möchte, wiegend zur Musik, ganz nah an den festen Muskeln, den ozeantiefen Augen und dem Geruch von Sommerregen und Sturmwolken und- “Und- uh- möchtest du?” Die Worte waren aus seinen Mund, ohne, dass er darüber nachgedacht hatte und Charlie drehte sich mit einem entgeisterten Gesicht zu ihm. Ja, er hatte es selbst gehört. Aber noch bevor Dean einer weiteren Kurzschlussreaktion folgen konnte, wie sich beispielsweise die Hand gegen die Stirn zu schlagen, toste Steves Stimme durch die Leitung: “Ich- uh, ich habe kein Kostüm und-” “Ich finde eins!”, tschirpte Charlie dazwischen und sah Steve geradezu leuchtend an. “Ich weiß genau, als was du gehen könntest! Du musst mir nur deine Größe sagen!” Die feinen Sehnen an Steves Hals drücken sich in einem angestrengten Schlucken gegen die weiche Haut, bevor seine Zunge aus seinem Mund schoss und seine Unterlippe benetzte. “Aber- ich- habe kein Auto; Ich-” “Ich könnte dich abholen.” Charlies und Steves Augen legten sich blitzschnell auf ihn und Dean spürte, wie sein Gesicht heiß wurde. “Ich meine, wenn- wenn du möchtest. Dann- uh, könnte ich dich herbringen, wir machen uns hier fertig und - uh - fahren zur Party…? - Ich bring dich natürlich auch nach Hause! Nüchtern!” Er machte eine abwehrende, versichernde Handbewegung - und stand immer noch auf der Sitzfläche der Couch. Dean räusperte sich möglichst unauffällig, als ihm das klar wurde, und stieg wieder hinunter. Charlie hatte sich derweil wieder dem Videochat zugewandt und sah Steve überzeugend und bittend an. “Also, was sagst du?” Steve wich ihrem Blick aus, aber Dean bildete sich ein, dass seine Augen immer wieder zu ihm huschten und er lächelte warm. Sie sollten ihn nicht so drängen, zwei gegen einen, das war - unfair. Aber es wäre nur gut für Steve, weitere Leute kennenzulernen und mal raus zu kommen. Vermutlich war er relativ isoliert. Es- wäre nur ein lustiger Abend - unter Freunden. Das hätte nichts mit Deans Wunsch zu tun, dass er dabei wäre; Es wäre nur gut für Steve. Als er sich sicher war, das Steves Augen auf ihm lagen, konnte er die stumme Frage förmlich spüren, fast, als würden die rauen Wellen seiner Stimme um ihn spülen; ob es in Ordnung war, ob Dean wirklich damit einverstanden wäre, ob es keine Umstände machen würde - und er nickte lächelnd gegen die Zweifel ins Steves Blick. Steve schnaubte leicht und senkte den Kopf, aber Dean war sich fast sicher den Anflug eines Lächelns in den Mundwinkeln zu sehen. “Ich- ja, ich komme- komme gerne.” Er nickte noch einmal, zweimal, ehe er aufsah. “Danke, für die Einladung, Charlie. Ich freue mich darauf, dich richtig kennenzulernen.” Charlie jubelte auf der Stelle hüpfend und strahlte Steve breit und leuchtend an. “Oh, Super! Steve, das wird so toll! Dean soll dir meine Nummer schicken, okay? Dann besprechen wir alles wegen deinem Kostüm! - Oh, Hammer! Das muss ich gleich Gilda erzählen, sie wird sich auch so freuen! Peace-Out, Bitch! Bis Samstag!” Sie machte ein schmatzende Kussgeste, warf Dean locker das Handy zu und zog mit siegreich erhobenen Händen schnell von dannen, bevor Dean sie sich schnappen konnte. Dean musste mehrfach nach dem Handy greifen, bis er es endlich sicher in der Hand hatte und hob es schnell an um zu sehen, ob Steve immer noch in der Leitung war. Sein Gesicht war schon wieder so heiß und räusperte sich streng, ehe er schief lächelte. “Heya, Steve.” Auch um Steves Lippen huschte ein kleines Lächeln, ehe er nickte: “Hallo, Dean.” Gottverdammt. Dean schluckte hart, als es in seiner Brust dumpf und ziehend schlug. Es gab niemanden der seinen Namen so aussprach, die Wörter so betonte, ihn so begrüßte, die dunklen, vibrierenden Silben, tief und kräftig, tosend, Ozeane, die sich unter ihm auftaten und ihn verschluckten, bis er ganz auf den dunklen, rauen Grund sank. Er räusperte sich wieder und fuhr sich über den Hinterkopf. “Ich- uh- du musst vermutlich noch arbeiten, huh?” Steve nickte, immer noch mit diesem leichten, warmen Lächeln auf den Lippen und Dean erwiderte es vollkommen automatisch. “Dann - ruf ich dich später an. Text mir einfach, wenn du zu Hause bist. Und ich schreib dir noch Charlies Nummer. Kannst du mir deine- Straße texten?” Er wollte nicht direkt nach der Adresse fragen. Steve würde ihm einen Ort in seiner Nähe nennen, bei dem er sich wohl fühlen würde, wenn Dean ihn dort abholte. Es musste nicht direkt seine Haustür sein. “Natürlich, das- das mach ich.” Dean nickte mehrfach, während er sich nur einen kurzen Moment in Steves Lächeln verlor, nur einen - winzigen - Augenblick. “Okay, cool. Dann bis heute Abend.” “Bis heute Abend, Dean.” “Ja- und Uh, Steve?” Sein Blick, offensichtlich gerade auf der Suche nach dem Auflegen-Button, hob sich nochmal auf das Display. “Ich freu mich, dass du mitkommst.” Steves Lächeln wurde geschlossener, kleiner, schüchtern und er nickte ebenfalls. “Ich mich auch. Bis dann, Dean.” ~*~ Deans Finger trommelten auf Babys Lenkrad, während sein Blick aufmerksam die Straße auf und ab glitt. Irgendwo hier müsste Steve jeden Moment auftauchen. Er war etwas zu früh dran, ausgemacht war halb sechs gewesen; Es war fünf vor und er wartete schon seit ein paar Minuten, aber er wollte Steve nicht das Gefühl geben, dass er ihn warten lassen würde , falls er selbst früher dran wäre. Sein Handy fiepte und er griff augenblicklich danach. Hatte Steve es sich anders überlegt? Nein, oder? Er hätte dann früher Bescheid gesagt. Sie hatten am Mittwochabend, als sie telefoniert hatten, nochmal darüber gesprochen. Steve freute sich darauf, Earl war nicht da, es gäbe keinen Grund, abzusagen. Richtig? Die Nachricht war- von Charlie und Dean verdrehte die Augen. Es war die nächste stichelnde Bemerkung, dass er nicht nervös sein sollte, wegen seines “Dates” mit Steve und dass er vorsichtig fahren sollte, weil sie sich furchtbare Mühe mit seinem Kostüm gab; Dean durfte übrigens nicht wissen, was es war und auch wenn er Steve das nicht erzählt hatte, um ihn nicht zu verunsichern, befürchtete er das schlimmste. Aber der eigentliche Punkt war, dass er nicht nervös war. Das war auch kein Date! Sie gingen nur zusammen aus, zum ersten Mal, mit Freunden- als Freunde! Es gab keinen Grund nervös zu sein. Steve freute sich auf heute Abend und Dean war kein kompletter Arsch, er hatte sich im Griff; Er würde es für Steve nicht merkwürdig machen, nur weil er eine kleine Schwärmerei hatte. Sie waren Freunde. Nur Freunde. So einfach war das. Er war nicht nervös. Außerdem war es auch kein Date! Steve war nach wie vor in einer Beziehung - Dean’s Gesicht verzog sich streng und angewidert bei dem Gedanken an Earl - aber egal wie er dazu Stand, so war es nun einmal. Weder würde er Steve bedrängen, noch es für den anderen merkwürdig machen. Er war kein fünfzehnjähriger Teenager mehr, verdammt noch mal. Er hatte sich im Griff! Dean klickte fast schmollend das Display seines Handy aus und ließ es neben sich auf den Sitz fallen. Er lehnte sich zurück und blickte weiter die Straße hoch und runter. Es war kein Date. Sie waren nur Freund- Eine Bewegung aus den Augenwinkeln zog seine kreisenden Gedanken in ihren Bann und er drehte automatisch den Kopf in die entsprechende Richtung. Da war Steve; Er verließ gerade eines der hohen, mehrstöckigen Wohngebäude, Dean blickte automatisch auf die Hausnummer, und ging vor zur Straße, ein paar Meter vor ihm. Ein breites Lächeln erschien auf seinen Lippen und er startete den Motor. Baby erwachte mit einem tiefen, röhrenden Grollen zum Leben und Steve drehte sich, nun beleuchtet von den Scheinwerfern, in seine Richtung. Als Babys Beifahrertür direkt vor Steve war, hielt Dean sie an, beugte sich zur Seite und kurbelte das Fenster runter, leicht nach unten und vorne gebeugt, um Steve ansehen zu können. Er trug einen viel zu großen Trenchcoat und darunter ein weißes Hemd, bei dem gerade mal der oberste Knopf war offen war und dass seinen schmalen, langen Hals betonte. Der Stoff lag locker genug um seinen Oberkörper, um nicht zu spannen, aber eng genug, damit Dean die halbdunkle Schattierung von seinen Muskeln erahnen konnte und weit genug offen, damit er einen flüchtigen, kleinen Blick auf die feine Kurve seines Schlüsselbeins werfen konnte. Vermutlich war es eigentlich schon zu dunkel, um so etwas zu erkennen, aber nichtsdestotrotz blieben seine Augen kurz daran hängen. Dean kaschierte ein halbes Räuspern in einem frechen Grinsen und lenkte seine Augen nachdrücklich zu Steves Gesicht. “Heya, Sonnenschein, zu dir oder zu mir?” Ja, das war vermutlich der dämlichste Spruch, der ihm in diesem Moment hatte einfallen können - und er sah die Bestätigung auch sogleich in Steves Ausdruck. Er kniff die Augen zusammen und legte leicht den Kopf zur Seite, bevor seine Zunge unsicher hervor schoß und seine Unterlippe benetzte. “Ich- uh, dachte, du- wir-” Seine Augen verengten sich etwas weiter und sein Blick glitt einmal unsicher die Straße hoch und runter, bevor sein Kehlkopf sich in einem fast nervösen Schlucken wölbte. Super gemacht, Winchester. Dean schüttelte den Kopf, streckte sich weiter, um die Tür zu öffnen und rutschte dann zurück auf den Fahrersitz. “Ja, nein. Klar, also - Entschuldige, das- war nur ein Witz. - Alles gut, steig ein.” Steve zögerte noch einen Moment, ganz toller Witz, Winchester, öffnete die Tür dann aber doch ganz und stieg ein. Er räusperte sich leicht, zog die Tür behutsam aber fest zu und zupfte dann an den Ärmeln seines Hemdes. Wieder zuckte seine Zunge über seine Unterlippe und Dean hätte sich ohrfeigen können. Er war ein Idiot. Die Luft im Wagen fühlte sich mit einem Mal fest an, gespannt und Dean zögerte, loszufahren, um stattdessen etwas zu finden, dass er sagen könnte, etwas, dass die Stimmung lockern und ihn und Steve etwas beruhigen würde. Etwas, das- “Also”, die erste hervor stoßende Welle einer neuen Flut rauschte gegen seine Ohren und er drehte sich zu Steve. Er - lächelte; halbseitig, leicht versteckt in dem Senken seines Kopfes und der Art, wie er ihn vorsichtig zur Seite gedreht hatte und würde Dean es nicht besser wissen, hätte er gesagt, es wäre kokett. “Das ist Sie, ja?” Es dauerte einen Moment, bis Dean zusammenfügte, dass er von Baby sprach und grinsend nickte. “Ja, das ist sie. Baby, das ist Steve. - Steve, das ist Baby.” Dean tätschelte das Lenkrad wohlwollend. Er hatte schon buchstäblich jeden Witz darüber gehört, wie er mit seinem Auto sprach, dass sie einen Namen hatte, dass sie eine sie war und dergleichen. Aber die verstanden ihn und Baby einfach nicht und deswegen war es ihm egal. Aber jetzt, einen Moment lang, musste er zugeben, dass sich sein Rücken unwohl anspannte, als er auf Steves Reaktion wartete. Seine unendlich tiefen Augen glitten Aufmerksam über ihr Armaturenbrett, über die Sitze, das Lenkrad, er drehte sich sogar um, um einen Blick auf den Rücksitz zu werfen und dann: “Ich bin sehr erfreut”, er senkte den Kopf fast begrüßend in Richtung ihrer Armatur, ein weiteres, leichtes Lächeln auf den pinken Lippen. “Sie ist wunderschön.” Dean lachte leise auf und spürte, die Spannung aus seinem Rücken fallen, genau in den Moment, als ein warmes Knistern ins einem Bauch begann. “Ja, ist sie, nicht wahr?” Sein Blick verharrte einen Augenblick auf Steves Gesicht, dem halbdunklen Schattierungen seiner Züge, dem Lächeln, den Augen, der kleinen Platzwunde, die von Tag zu Tag immer mehr zu heilte, ehe er sich fast zwang nach vorne zu blicken, die langen schlanken Kurven von Babys Motorhaube entlang. “Mein ganzer Stolz.” Er konnte aus den Augenwinkeln sehen, wie Steve nickte und sich leicht in dem Sitz zurück lehnte. Es folgte wieder eine Pause, in der Dean überlegte, was er sagen könnte, es wäre seine Aufgabe, jetzt etwas zu sagen, richtig? Er machte es doch merkwürdig für Steve oder? “Dann: Zu dir, oder?” Dean drehte überrascht den Kopf zu Steve, der fast verschmitzt lächelte, auch wenn es dennoch schüchtern wirkte und bedeckt, aber in seinen Augen funkelte eine Portion Schalk und Humor und Dean lachte auf. Er setzte den Blinker und leitete Baby auf die Straße. “Darauf kannst du wetten, Sonnenschein.” ~*~ Die Fahrt war nach seinem anfänglichen Volltreffer entspannt und angenehm gewesen; Sie hatten sich locker unterhalten, Steve hatte gefragt, ob er wusste, was Charlie für ihn als Kostüm bereit hielt, (“Buddy, wenn ich es wissen würde, ich würde es dir sagen, aber als ich einmal nachsehen wollte, hat sie mir mit einem Lichtschwert auf den Kopf geschlagen!” - “Ein Lichtschwert?” - “Star Wars? Jedis? Yoda? Lichtschwert?” - “Uhm…”), dann hatten sie über seine erschreckenden Wissenslücken im Bereich Filme und Popkultur gesprochen (“Was soll das heißen, du hast keinen Fernseher?” - “Ich brauche keinen.” - “Du kennst nicht mal ‘Star Wars’! Du brauchst einen!”) und dann über Benny, sein Restaurant und wer noch alles da sein würde. Es war - angenehm gewesen, zwanglos, fast natürlich, wie Steve in Baby saß, neben ihm auf dem Beifahrersitz, leicht gegen die Tür gelehnt, damit er Dean besser ansehen konnte. Er hatte fast gehofft, noch ein wenig länger nach Hause zu brauchen, nur noch eine rote Ampel, nur noch ein Stoppschild an einer stark befahrenen Straße, aber kaum waren sie losgefahren, bogen sie auch schon in die Einfahrt des kleinen Hauses, das er und Charlie gemietet hatten. Steve bedankte sich nochmal, während er ausstieg und Babys Tür behutsam schloss, dass Dean ihn abgeholt hatte und sie verharrten einen kurzen, merkwürdigen Moment auf der Veranda, bevor Dean sich räusperte, die Tür öffnete und Steve hinein bat. Er kam nicht einmal dazu, seinen Mantel auszuziehen, bevor Charlie von der letzten Podeststufe der Treppe sprang und ihn in eine Umarmung zog. “Steve! Es ist so schön dich zu sehen! Wow, du bist echt viel größer, als ich dachte!” Sie drehte sich zu Dean, eine Hand bereits besitzergreifend aber locker um Steves Handgelenk und grinste. “Ich entführ ihn dir kurz! Gilda ist schon oben, wir machen gerade ihre Haare, können also los, sobald ihr beide euch in Schale geworfen habt!” Sie trug gerade noch einen plüschigen, grünen Morgenmantel, aber der würde bald einer Rüstung weichen. Denn sie wäre heute Abend die Ritterin ihrer wunderschönen Fee; Gilda. Dean, wohlwissend, dass er sie ohnehin nicht aufhalten könnte, winkte lässig und warf Steve, der offensichtlich von der Situation überfordert und verunsichert war, ein warmes, beruhigendes Lächeln zu. “Alles klar, dann zieh ich mich auch um. - Bis gleich, Steve.” Steve ließ sich einen Moment von Deans Lächeln von der Situation ablenken, oder davon beruhigen, erwiderte es für einen flüchtigen Moment, warm, entspannt, ruhig, ehe er den Kopf wieder wegdrehte und das Zucken in seinen Mundwinkeln schüchtern wurde. Charlie ließ ihre Augen kurz zwischen beiden hin und her gleiten, ehe sie mit Steve nach oben ging. Dean folgte auf dem Fuße, um sich ebenfalls umzuziehen. Es hatte einen kurzen Spannungsmoment gegeben, als sich Steve und Gilda gesehen hatten; Offensichtlich nicht das erste Mal, denn Steve begrüßte sie überrascht mit ”Mrs Fairywood!”. Sie war, seit Charlie ihr erzählt hatte, wo es ihre Lieblingskekse gab, Stammkunde in Steves Laden und Dean hatte sehen können, wie Steves Nervosität die Skala nach oben geklettert war, bis Gilda ihr helles Silberglocken-Lachen lachte, herzlich Steves Hand geschüttelt hatte und sagte, sie würde ihn Steve nennen, wenn er sie Gilda nannte. Dean hatte weiter zusehen wollen, sicherstellen wollen, dass es Steve gut ging und alles in Ordnung war, aber Charlie hatte die Situation noch kurz beobachtet und Dean dann mit einem “Wir kommen klar!” weitergeschoben. Das nächste Mal, als Dean an Charlies Zimmer vorbei gekommen war und hinein spähte, hatte Steve immerhin den Trenchcoat ausgezogen, aber noch kein Kostüm angezogen. Stattdessen flocht er geschickt Gildas gewellte, lange Haare. Charlie zurrte gerade die Riemen ihrer Armenschienen fest und scheuchte ihn weiter und er hörte auf zu spionieren, ging hinunter und holte sich eine Cola. Dean selbst war ein Cowboy, ein Sheriff! Keiner dieser Lucky-Luke-Kinderkostüme-Cowboys; Nein, sein Kostüm war cool. Er hatte die Stiefel mit den Sporen, die Weste aus echtem Leder, das Hemd, dem langen, schwarzen Mantel, den Sheriff-Stern, den Hut. Als Gilda in die Küche kam, in ihrem weißen, wallenden Feenkleid und mit einer halboffenen, geflochtenen Frisur, begrüßte er sie mit Howdy und sie kicherte. Sie warteten auf die anderen beiden und tranken im leichten Gespräch Cola und Gurkenwasser, das sich seit neustem im Kühlschrank befand, bis sie Schritte und Stimmen von der Treppe hörten. “Ich verstehe es nicht, wieso diese Stiefel?” “Es gehört dazu, Steve, das ist das Markenzeichen.” “Aber das ergibt keinen-” “So ist das in der Serie eben.” “Ich kenne diese Serie nicht.” Steves Stimme klang gezogen und kraftlos, als hätte er dieselbe Anmerkung schon einige Male machen müssen, aber ohne, dass Charlie es beachtet hätte. “Daran werden wir arbeiten!” Und damit trat Charlie zuerst in die Küche, in feierlicher Rüstung, mit Armschienen, Stiefeln, Pappschwert und mit weißem Banner auf ihrer Brust, das anzeigen sollte, dass sie zu der Fee im weißen Kleid gehörte. In ihre Haaren waren mehrere kleine, feine Zöpfe geflochten und Dean fragte sich, ob das auch Steve gewesen war, der kurz darauf ebenfalls die Küche betrat und- Charlie, diese miese kleine Verräterin. Sie hätte Steve als alles verkleiden können, buchstäblich alles! Aber hier stand er nun, in babyblauer Krankenhauskleidung, die Unfaires mit dem ohnehin schon tiefen Blau seiner machte, einem Arztkittel und Cowboy-Stiefeln. Er war Dr. Sexy M.D. Sogar mit einem Ausweis, der an seinem Kittel hing, mit einem Passfoto von Steve, das Charlie vorhin gemacht haben musste, auf dem Stand Dr. Steve Sexy, M.D.. Dean versuchte, seine Augen davon abzuhalten, weiter über Steves Erscheinung zu gleiten, zu bemerkten, wie tief die Hose mit dem Gummizug auf seinen Hüften sitzen musste, wie seine Muskeln sich gegen das T-Shirt schmiegten, wie das Blau der Kleidung seine Augen betonte, und nahm einen großen Schluck aus seiner Dose, bei dem er sich fast verschluckte. Verdammt, Dr. Sexy war im Fernsehen schon sexy! Aber das? Holy shit! Er konnte es fast vor sich sehen, genau wie in der Serie, wenn er Dr Sexy, seinen Dr Steve Sexy in einen Wandschrank drängte, während Steves Hände sich unter sein Shirt schieben würde, gierig, kratzend und heiß von Erregung und Verlangen. Er würde ihn gegen die Wand drücken, küssen, fest und hungrig, seinen Hals mit Lippen und Zähnen bearbeiten und in die locker sitzende Hose greifen um- Er musste sich räuspern, um dem Verschlucken energisch entgegen zu wirken, mehrfach, bis er seine Gedanken wieder unter Kontrolle hatte. Dann versuchte er sich an einem selbstbewussten Lächeln für Steve, das auf halbem Weg scheiterte, als er wieder die gleißenden, betonten blauen Augen sah und er senkte mit einem schiefen Grinsen den Kopf. “Doktor.” Er nickte ihm grüßend zu und es klang nicht halb so selbstsicher und cool, wie er es sich gewünscht hatte und, verdammt er würde Charlie umbringen. Steve kniff die Augen zusammen und legte leicht den Kopf schief. “Sher-iff?” Charlie prustete los. |