![]() |
[ab 18!] say ny name (13|16) - Druckversion +- We Can Be Heroes (https://wecanbeheroes.de) +-- Forum: We Can Be Heroes Just for One Day (https://wecanbeheroes.de/forum-5.html) +--- Forum: The Others (https://wecanbeheroes.de/forum-15.html) +--- Thema: [ab 18!] say ny name (13|16) (/thread-181.html) |
say ny name (13|16) - June - 15.08.2022 Kapitel 13 that’s a lie Dean rieb sich energisch mit beiden Händen über die Schläfen, Stirn, Wangen und den Kiefer, bevor er einen tiefen, betonten Atemzug in seine Lungen zwängte und ihn gepresst wieder ausstieß. Normalerweise war das Auf und Ab der Stimmen in der Zentrale für ihn beruhigend; das Klingeln der eingehenden Notrufe, die beschwichtigenden, sanften Stimmen, die Menschen in Not halfen, sie trösteten und ihnen Kraft gaben. Es ließ ihn sogar ruhiger werden, wenn er Notrufe annahm, zu spüren und zu hören, wie seine Worte andere beruhigten, sie erdeten, und sie sich sicherer fühlen konnten, bis Hilfe ankam. Aber heute fühlte er sich nicht ruhig oder beruhigend, er war nicht geerdet, glaubte nicht, jemanden erden zu können und seine Stimme kratze zu sehr in seinem Hals, als das er glaubte, jemandem damit zuhelfen. Er gab sich natürlich trotzdem die größte Mühe, verdammt noch mal, natürlich tat er das!, seine Stimme sanft, klar und leitend sein zu lassen, damit die Mensche, die anriefen, sich darin wiegen konnten, bis Sicherheit und Hilfe in Sicht war. Sobald die Leitung allerdings wieder frei war, fühlte es sich an als würde seine Schädelinnenseite jucken, als hätte er Druck auf den Ohren, den er einfach nicht los wurde, als würden tausende unsichtbare Käfer über seine Haut krabbeln, egal wie oft er mit den Nägeln darüber kratze: Er war bis ins Mark unruhig und getrieben und- und- Steve hatte auf keine seiner Nachrichten reagiert. Seine Zunge befeuchtete fahrig seine sich ständig trocken anfühlenden Lippen, während er einen Blick auf sein Smartphone warf. Immer noch keine neue Benachrichtigung, aber wie in einem Zwang griff er trotzdem danach, entsperrte es und öffnete den Chat mit Steve. Du:
Es tut mir Leid!
Wirklich, Steve, ich hab einen Fehler gemacht! Es tut mir Leid
Steve?
Bitte antworte mir
Bist du zu hause?
Wo ist earl?
Geht es dir gut?
Steve?
Steve komm schon lass uns darüber reden
Bitte Steve
Lass uns reden okay?
Steve wir sollten wirklich darüber reden Ich BITTE dich
Steve??
Nein, keine Nachricht, keine Antwort, keine Reaktion. Verdammt, er hatte sie nicht einmal gelesen. Vermutlich war es aber ein gutes Zeichen, das sie immerhin angekommen waren. Das hieß doch, er hatte ihn noch nicht blockiert, oder? Aber das half ihm auch nicht, wenn Steve ihn ignorierte! Dean fuhr sich wieder über das Gesicht und zog noch einen tiefen Atemzug in seine zu leeren Lungen. Es war erbärmlich. Er war erbärmlich! Wie er klammerte und bettelte und flehte; Er sollte sich schämen. So- das- Das war nicht in Ordnung. Er sollte nicht- Durfte nicht- Verdammt noch mal! Aber er- Er konnte es immer noch spüren; Steves Hände in seine Haaren, seine heißen, rauen Lippen auf seinen, sein Herzschlag direkt an seiner Brust, das Brennen kochender Meereswellen, an jeder Stelle, an der er ihn berührt hatte, zusammen mit dem Geruch von Sturmwolken und Sommerregen, der seine Nase einfach nicht verlassen wollte. Dean schluckte schwer und fuhr sich wieder über die Lippen, bevor er bestimmt das Handy weglegte. Es juckte ihn in den Finger, weitere Nachrichten zu schreiben, jede Minute, jede Sekunde eine wenn möglich. Er wollte- Es hatte ihn sämtliche Willensstärke gekostet, heute nicht direkt in Steves Laden zu fahren, ihn nicht zu packen, in sein Büro zu ziehen und gegen den Schreibtisch zu drängen, um-. Er wollte- Er- Er konnte nicht. Nein, er durfte nicht. Verdammt, er hätte es nicht tun sollen. Dean stützte seine Ellbogen auf seinen Schreibtisch und legte seinen Kopf in seine Hände. Er war so ein Idiot gewesen, so ein verfluchter Idiot. Wie oft hatte er sich gesagt, dass er Steve nicht bedrängen würde? Dass er ihm seine Gefühle nicht aufzwängen würde, dass er das, was er mit Steve hatte, nicht ruinieren würde, weil er er ihn nicht in der Hose lassen konnte! Wie oft?! Seine Fingernägel kratzen mit mehr Druck, als es angenehm war, über seine Kopfhaut und er nahm weitere, sammelnde Atemzüge. Er war ein- ein Idiot. Und ein Arschloch. Wie konnte er- Er hatte sich ihm aufgedrängt, hatte ihn ausgenutzt, in einer Situation, in der er seine Hilfe benötigt hatte, verletzlich gewesen war und ängstlich. Und er hatte- Er hätte ihm helfen müssen, für ihn da sein müssen, als Freund, nicht als- Ihn nicht mit seinem- seinem- präpubertären Rumfummeln belästigen! Scheiße. Scheiße! Seine Station klingelte. Dean schluckte einmal, nahm noch einen tiefen Atemzug und setzte sich ruckartig wieder hin. Er war ein Arschloch. Ein riesiges, verfluchtes Arschloch; aber deshalb würde er niemanden hängen lassen, der den Notruf anwählte! Er richtete sein Headset und griff nach der Maus, um das Gespräch anzunehmen, während sein Blick routiniert zur angezeigten Nummer wanderte. Dean konnte genau spüren, wie sein Herzschlag in diesem Moment aussetzte. Steve. Das war Steves Handynummer. Seine Augen hüpften nochmal starr und weit über jede einzelne Ziffer, aber es gab keinen Zweifel. Er kannte Steves Nummer. Das war Steves Nummer. In Sekundenbruchteilen konnte Dean spüren, wie sein Hals trocken wurde, wie sich kalte, blasige Galle aus seinen Magen nach oben kämpfte und sich übel und trocken auf seine Zunge legte, wie seine Hände nass und schwitzig wurden, während er das Gespräch annahm. Der Timer begann zu laufen und Dean musste hart schlucken, bevor er sprechen konnte: “911, wie k-” “Was soll das bedeuten?!” Deans Mund klappte augenblicklich zu. Eine Dachlawine aus Eis und frostigen Splittern rannte aus seinem Headset seinen Nacken hinab, über seine Wirbelsäule und verkeilte sich in jeder Fuge seiner Knochen. Die Stimme, die durch die Kopfhörer eisig und scharfkantig in seine Ohren vibrierte, war nicht das tiefe Meeresrauschen von Steve. Sie fühlte sich unnatürlich kalt an, wie ein aufgelöster Gletscher, der langsam und schneidend in seine Ohren tropfte, und sei es nur, weil er erwartete hatte, das klirrende Bleikristallglas-Zittern von Steves Tränen zu hören - im schlimmsten Fall - oder wenigstens das grabestiefe Rauschen von Whiskeyrauen Kieselsteinen, die von Meeresstrudeln in seine Ohren geschwemmt wurden. Dean versuchte den Schauer, der mit fröstelnder Gänsehaut seinen Nacken hinab fließen wollte, abzuschütteln. War das- war das Earl? Wo war Steve? Wie ging es ihm? Was- verfluchte Scheiße! Was war passiert?! Seine Finger schwebten bereits über dem Mute-Button, ein Zucken davon entfernt, sich mit der nächsten Streife in Steves Nähe in Verbindung zu setzen, aber - und es brachte die kalte, trockene Galle zurück auf seine Zunge - dafür gab es im Moment keinen Grund. Im Moment, da niemand auf ihn reagierte, da ihn niemand direkt ansprach, musste er davon ausgehen, dass der Notruf aus Versehen gewählt worden war. Verflucht noch mal, Steve! Wieso hatte er den Notruf gewählt? Wieso hatte er nicht ihn angerufen? Deans Hand krampfte fast, als er sie widerwillig zurückzog. Er- konnte, durfte keine Streife durch die Stadt schicken, ohne dafür einen plausiblen Grund zu haben. Er- Gott, wenn er wenigstens gar nichts gehört hätte! Dann hätte er jemanden zur Kontrolle schicken können, aber- Dean schluckte erneut, atmete beruhigend durch und nickte. Alles in Ordnung. Er hatte die Situation im Griff, er würde das klären. Gerade wollte er ansetzen nochmal zu fragen, auf sich aufmerksam machen, sich Aufmerksamkeit verschaffen, als- “Du hast mich verstanden.” Die männliche Stimme, die durch die Leitung rollte, war tief, wie eine Schlucht, rau und kantig wie die Felsen an den Seiten, sonor, voll und kräftig. Deans Herz machte einen Satz und pumpte warme, glühende Erleichterung durch seine Adern, bevor er die Worte ganz sortiert hatte, bevor es ganz von seinen Ohren in sein Bewusstsein getropft war: Steve. Steve. Es ging ihm- Die baritonen, tiefen Wellen von Steves Stimme spülten Hitze und Erleichterung um seine von Earls Stimme gefrorenen Nerven und er wollte sich einen Moment in der Gewissheit wiegen, dass - zumindest im Moment - Steve in Ordnung war. Aber ein heftiger, übler Ruck in seinem Magen hielt ihn davon ab; Seine Stimme war fest, bestimmt, kräftig, so nah an dem wütenden Krieger, den Dean in der Bar getroffen hatte, aber trotzdem weit entfernt. Am Ende, bei den letzten Worten, war seine Stimme eine Spur dünner, eine Spur unstet, wackelig. Es war nicht das fast zersplitterte Bleikristallglas, das von Tränen und Trotz zusammengehalten wurde, aber ein zitternder, schutzloser Nerv, wie eine zu stramm gespannte Saite in einem Bass: Er hatte Angst. Er hatte sich nicht verwählt, es war kein unabsichtlicher Anruf. “Ich möchte, dass du gehs-” Deans Herz setzte einen weiteren, schweren Schlag aus, als ein lauter, heftiger Stoß durch die Leitung brach, wuchtig, gewalttätig; Als würde etwas gegen eine Wand gestoßen werden. Er schluckte hart. Nicht etwas; Jemand. Steve Fast zeitgleich zog das typische Klatschen von Hand gegen Haut durch die Leitung. “Alastair!, lass mich lo-grrugl” Steves Worte erstarben in einem erstickten Gurgeln, dessen zähes, atemloses Kriechen durch die Leitung Deans Hals ebenso zuschnürrte, wie der taube Schlag Hilflosigkeit in seinem Blut. Er konnte sie wieder vor sich sehen, die bunten, schillernden Hämatome von Earls Fingern um Steves Hals, wie eine höhnische, brutale Halskette. Einen Moment lang war Dean vollkommen erstarrt, wie ein Reh in den Scheinwerfern seiner Erinnerung, an dem Tag in Steves Laden, als er seinen Hals berührt und die weiche, wunde Haut gespürt hatte, als er das Zittern und die Angst in den Augen gesehen und in den Muskeln gefühlt hatte, die diese Brutalität in ihm hinterlassen hatten. Seine Finger wurden taub, kribbelten in der Blut abschneidenden Hilflosigkeit in seinen Adern; Er konnte es nicht verhindern. Er konnte Steve nicht zu Hilfe eilen, nicht durch seine Tür stürmen, Ear- Alastair nicht von ihm wegreißen und Steve in die Sicherheit seiner Arme schließen. Er konnte nur- Ein Röcheln ätzte sich wie Säure durch die Leitung und Dean sprang von der Leere in seinem Kopf in Aktion; er schaltete das Gespräch mit Steve auf stumm und verband sich mit der nächstgelegenen Streife. “Hier Dispatch, wir haben einen Fall von Häuslicher Gewalt mit tätlichem Angriff, ein Opfer, männlich, Anfang-Mitte dreißig, bisher zu erwartende Verletzungen am Hals durch Würge-” “Dean? Hier sind Rufus und Jo. - Wir sind frei, sag uns wo’s lang geht.” Deans Augen schlossen sich mit einem stockendem Atemzug der Erleichterung, als Jo’s leichte, warme Sommersonnenstimme die Leitung füllte, während seine Finger über die Tasten flogen, um den Notruf einzugeben. Hilfe war unterwegs. Jo und Rufus, die beiden würden das hinkriegen, den beiden würde er sein Leben anvertrauen - und- und sogar Steves. Er gab ihnen die Adresse durch und schluckte hart. “Ich kenn die Wohnungsnummer nicht und kann nicht mit dem Opfer sprechen. Ihr müsst-” Er benetzte seine Lippen, als könnten die letzten Wörter, die sich trocken an seinen Gaumen klammerten, an der Feuchtigkeit hinaus gleiten. “Sind schon unterwegs, Deano.” Er hörte Rufus im Hintergrund abfällig über den Spitznamen schnauben. “Alles klar, schnell und leise.” Er setzte währenddessen eine weitere Meldung an die Rettungssanitäter ab, mit der Anweisung, auf die Polizei vor Ort zu warten. “Bestätige.” Steve musste nur noch etwas durchhalten, Hilfe war unterwegs. Dean schaltete das Gespräch augenblicklich zurück zu Steve und hielt unbewusst die Luft an, während er auf jedes noch so kleine Geräusch lauschte, das sich mühsam durch die Leitung zwängte. “Lass - mich - los!” Wieder ein Gurgeln, als - vermutlich - Alastair die Hand fester um Steves Hals zusammendrückte. Dieser- Bastard! “Glaubst du denn, das ist so einfach, Castiel?” Sein Herz war fast taub, von dem festen, blutleeren Rasen in der kalten Ohnmacht, aber trotzdem schaffte es es, einen heißen, aufgeregten Sprung zu machen, der es für einen Augenblick aus der eisigen Gletscherlawine von Alastairs Stimme hob. Castiel. Cas-ti-el. Castiel. Das war er, Steves Name. Castiel's Name. Sein Magen flatterte einen winzigen Augenblick, bevor das federleichte Gefühl durch ein weiteres Röcheln von Steve in zähe Übelkeit umschwenkte und er seinen Fokus zurecht rückte. “Glaubst, du, du kannst mich so einfach verlassen?!” Verlassen. Verlassen. Steve wollte ihn verlassen. Sein Gletscher umschlossenes Herz krampfte, heiß und glühend, in seiner Brust. bevor es angsterfüllt in sich zusammen fiel. Großer Gott, er wollte ihn verlassen. Er wollte ihn verlassen - und er war allein mit ihm. Deans Mund wurde trocken und er zwang ein hartes Schlucken seine dürre Kehle hinunter. Wieso machte er das allein? Wieso ließ Steve ihn nicht helfen? Ihn nicht bei ihm sein?! Er hätte ihn-! Er hätte ihn beschützen können und- “Du wirst mich nicht verlassen! Wir gehören zusammen, Castiel! Du gehörst zu mir!” Deans Nasenflügel flatterten bei dem bemüht ruhigen, tiefen Atemzug, den er in seine Lungen zwängte, um seine rasenden Gedanken aus ihrem Rondell in den eigentlich Fokus, den wichtigen Fokus, Steve!, zurück zu zerren. Gott, er musste etwas tun! Er- “Wieso solltest du mich verlassen wollen?” Eine unerwartete, kalte Welle aus Übelkeit und Unbehagen flutete aus seinem Headset in seine Ohren bis in seinen Magen, als er das fast schnurrende Säuseln aus den kalten Eisdünen von Alastairs Stimme sirren hörte. Nicht nur, dass seine frostkalte Stimme sich mit diesem säuselnden Klang vollkommen falsch und grotesk an fühlte; Sie war zudem noch von einer derart bedrohlichen Schärfe durchzogen, dass Dean den Drang bekämpfen musste, an seinen Ohren nach Blut zu tasten. Er konnte es geradezu vor sich sehen; eine Szene aus einem Film, den man nicht wegschalten kann; Steve gegen eine Wand gedrückt, Alastair’s Hand um seinen Hals, die Lippen des unbekannten Gesichts mit einem frostsüßen Lächeln nah an seinem Ohr, Steves tiefe blauen Augen weit und angststarr und- Ein erneutes Gurgeln presste sich mühsam durch Steves Hals und die Leitung, zusammen mit dem Fragment eines geröchelten Wortes und Dean schloss mit einem schweren Schlucken die Augen. Hilfe war unterwegs. Hilfe war unterwegs! “Ich habe dir so viel gegeben, Castiel”, Alastair's Stimme war weich und scharf wie nasser Schnee, flirrend wie kaltes Metall, das durch die Luft gezogen wird. “Ich habe dir alles gegeben. Ich habe mich um dich gekümmert, habe mich um deinen lächerlichen kleinen Laden gekümmert. Ich war für dich da, wo du doch so alleine warst, ganz ohne Familie. Ich war da.” Steves Atem zog sich in einem hohen, pfeifenden Ton durch seine eingeengten Luftwege und Dean wurde plötzlich klar, dass Alastair immer weiter zu drücken musste, ihn immer weiter würgen musste. Weiter und weiter und weiter und fester und fester und fester. Die ohnmächtige Hilflosigkeit, die sich bei diesem Gedanken durch sein Blut zog, erstickte ihn beinahe selbst. Alastair stand dort, dort in diesem Wohnhaus, dicht an dicht vor Steve und drückte ihm die Luft ab - und Dean konnte nichts tun. “Ich habe dir alles geben, Castiel, und so dankst du es mir? Du willst mich verlassen? - Du verlässt mich nicht. - Hast du gehört?!” Alastair’s Stimme nahm eine schnelle, schneidende Wendung und Dean zuckte selbst zusammen, als eine plötzliche Aggressivität durch die Leitung brach, wie Schneelawinen von einer Klippe. Er hörte Steve’s Erwiderung nicht. Er hörte gar nichts von Steve. Ein frostkalter Schrecken sammelte sich in seinem Magen, gleich neben dem aggressiven Schneegeröll Alastair’s Stimme, das er mühsam hinunter geschluckt hatte. Er hörte Steve nicht. Er hörte ihn nicht. Kein Röcheln, kein Wimmern, nicht das vorsichtige Atmen von bleikristallinen Tränen oder zwängende Luftzüge durch verengte Atemwege. Nichts. Nichts! Seine Augen fixierten den Tracker von Jo und Rufus’ Polizeiwagen. Gott, sie würden noch Minuten brauchen. Minuten! Wie könnte er- wie sollte er- er musste-! “Hör auf!” Dean hatte nicht mal bemerkt, dass er in lauschenden Verzweiflung die Augen geschlossen hatte; Erst, als er sie durch den eiskalten Ruck von Alastair’s Stimme wieder aufriss. “Hör auf, Castiel! - Hör-” Ein einzelnes, lautes, hallendes Klatschen vibrierte durch die Leitung. Dean könnte seine Herzschläge zählen, laut und schnell bis hoch in seinen Hals, in der dröhnenden Stille, die das Echo des Schlages hinterlassen hatte und weiter zog, breit und ausladend, Sekunde um Sekunde weiter und größer werdend. Er hatte ihn geschlagen. Alastair hatte Steve wieder geschlagen, direkt hier, direkt vor ihm, und er konnte nichts dagegen t- Das röchelnde Gurgeln, das das kalte Echo und seine Gedanken durchbrach war - anders. Dean hatte die Stirn in tiefe, konzentrierte Falten gerunzelt, die Augen geschlossen, um jede Nuance eines jeden Geräusches aufzufangen, einzufangen, jeden noch so kleinen, undeutlichen Atemzug von Steve wahrnehmen zu kommen, um sein rasendes Herz irgendwie in dem Gedanken wiegen zu können, dass er noch dawar. Aber das Röcheln, das Gurgeln und Würgen, das stoßweise durch die Leitung brach war anders. Anders als vorher, anders als das erschrockene, angststarre Ziehen von letzter Luft, das es vorher gewesen war. Deans Fingerknöchel krallten wie Schraubzwingen um die Tischplatte seines Schreibtisches, als könnte die schmerzhafte Spannung seinen Ohren helfen, sich weiter zu fokussieren. Er hörte - Bewegung, Rascheln und Rauschen von Stoff, schroffes, ungeduldiges Atmen, Schnauben und- “Hör auf, du Bastard!” Alastair’s Stimme peitschte so laut durch die Leitung, dass Dean unvermittelt von seinem Stuhl aufsprang, um selbst zurückzuweichen, gefolgt von einem dumpfen Knall. “Du schlägst mich ins Gesicht?! Mich?! - Wie kannst d-!” Der Rest seines Satzes ging in einem hohen, Schmerz erfüllten Gurgeln unter. Deans Herz vergaß einige Schläge lang seine Aufgabe, als die Wörter nicht nur sein Gehör erreichten, sondern auch sein Gehirn. Es war Steve gewesen. Steve hatte ihn geschlagen. Steve hatte sich gewehrt! Steve wehrte sich jetzt gerade! “Steve! Steve!” Deans Finger krallten sich um das Headset, als könnte er die Wörter so schneller hindurch zwängen, während er weiter auf die Geräusche lauschte, die sich so unendlich langsam anfühlten, halb, unvollständig. Gott, er musste zu Steve, er musste- “Hallo?!” Steves hektische, wundraue Stimme brach wie eine Sturmwelle gegen sein Ohr und durchspülte ihn mit Erleichterung. “Hören Sie mich? Ich brauc- ARGH!” Dean konnte hören, wie das Handy auf den Boden fiel, das dumpfe Klonk, als es auf Teppich landete. Ein lauter, harter Knall. Steves Schmerzensschrei. “Du bleibst hier!” Deans Faust schlug auf seinen Schreibtisch, wütend und unkontrolliert - und von ihm vollkommen unbemerkt. “Lass mich los! Alastair- Lass mich los! - Du tust mir we-aaargh!” Deans eigene Muskeln zitterten unter der wimmernden, schmerzerfüllten Flut von Steves Flehen und er schluckte schwer. Rufus und Jo waren immer noch nicht angekommen, immer noch viel zu weit weg, um irgendetwas zu verhindern. “Ich tu dir weh? Wie? Damit?” Ein erneuter Schmerzensschrei brandete nach Alastair's kaltem, giftig süßem Schneiden durch die Leitung und Dean zog scharf die Luft ein. “Was denkst du wer du bist? He?!” Ein ruckartiger Schrei. “Du schlägst mich?!” Ein Schrei. “Du trittst mir zwischen die Beine?!” Schrei. “Hast du-” Schrei. “Vergessen.” Gurgelndes Wimmern. “Wo.” Gott, er hörte Steve schluchzen. “Dein. Platz. Ist?!” Ein ohrenbetäubendes, widerliches Krachen brach durch die Leitung und eine plötzliche Welle aus Übelkeit und kaltem Grauen brandete aus Deans Magen gegen seine Kehle. Fast in derselben Sekunde flutete Steves Agonie in einem markerschütternden Schrei sein Gehör, seinen Kopf, sein rasendes, machtloses Herz. Dean taumelte einen Schritt zurück, seine Hände taub, sein eigener Atem stoßweise, hektisch und fassungslos. Alastair gurrte, kaum hörbar durch das entfernte Telefon, nah, leise und intim, vermutlich direkt an Steves Ohr, während sein Schrei immer noch in Deans Ohren widerhallte und die Übelkeit aus seinem Hals sich schwer, zäh und blasig auf seiner Zunge ausbreitete. “Weißt du es jetzt wieder?” Alastair’s Stimme war so kalt wie Raureif an zerbrochenem Glas und süß wie türkischer Honig. “Weißt du jetzt wieder, wo du hingehörst? Dass du zu mir gehörst?” Er hörte den dumpfen Strudel von Steves Schluchzen und es riss ihn beinah von den Füßen, unfähig und taub und machtlos und wehrlos. Steve musste aufhören. Steve musste aufhören bevor Alastair ihn- Er konnte den Gedanken nicht beenden, konnte nur in tauber Verzweiflung auf den Tracker von Jo und Rufus sehen, der noch immer so viele Minuten entfernt war, kleine Ewigkeiten, wenn doch Sekunden ausreichen konnten, bis Alastair weiter und weiter ging und- “Ja”, Steves Stimme war erstickt von schmerzschweren Tränen, die in seiner brüchigen Flut schwammen wie Eisschollen. “Ich weiß, wo ich hingehöre.” Er konnte die zittrigen Atemzüge hören, die folgten, konnte die winzigen Ausschläge auf seinem Display sehen. Das Geräusch von auf schweißnasser Haut platzierten Küssen tropfte durch die Leitung und Galle durch seinen Mund. Er zog selbst tief Luft ein, gegen das kalte Krampfen um sein Herz, gegen nachtschwarze Verzweiflung und glutheißen Hass und eiskalte Angst. Steve gab nicht auf, Steve hatte nicht verloren. Das war nicht seine letzte Chance, er musste- Es war nur ein Rückzug. Strategisch, nötig. Aber temporär. Er könnte ihm helfen. Bei ihm sein, für ihn da sein, wenn er ihn ließ, und dann würden- Ein dunkles, metallenes Knallen riss Dean aus seinen Gedanken und er starrte auf den plötzlichen, lauten Ausschlag, taub und fassungslos und herzrasend: “Steve!” Sein Schrei dröhnte sogar in seinen eigenen Ohren nach. Hatte Alastair- Hatte- Was- “Dean!” Er konnte hören, wie Steve näher kam, zu ihm - zu dem verdammten Handy kam - und- “Hilf mir, Dean!” Er war nah, so nah, direkt am Handy, er musste raus-raus-raus-raus! Aber kaum eine Sekunde später, noch bevor Dean die Luft in seinen Lungen in Worte umwandeln konnte, hörte er einen erneuten, dumpfen Schlag und Steves gepeinigten Aufschrei. Dean konnte nicht atmen, nicht sprechen, sich nicht bewegen, Gott, er glaubte, dass nicht einmal sein Herz schlug, vollkommen gefangen und erstarrt in dem Gewirr aus Geräuschen, hektischem Atem, Knurren, Schluchzen, schmerzvollem Aufschreien und den dumpfen Schlägen, die durch die Leitung halten. Immer wieder, Knall, Knall, Knall! - und dann zog sich ein Moment Stille in Ewigkeiten. Dean hörte, wie sich das Handy bewegte, wie es über Teppichboden rieb, bevor es aufgehoben wurde. “Oh, Hallo, Dean.” Er spürte, wie sein Innerstes überfror, wie harte, scharfe Eiskristalle sich an seine Adern setzen, sein Herz, seine Lungen, seine Luftröhre und er zog einen letzten Mundvoll warme Luft hinunter: “Alastair.” “Oh, gut”, Alastair's schneerollendes Gurren war Übelkeit erregend süß und Dean schluckte schwer um die Blase aus Galle und Gift in seiner Kehle herum. “Dann können wir uns ja eine Vorstellungsrunde ersparen. Also, Dean, hast du es mit meinem Mann getrieben?” Der fast beiläufige Tonfall nahm von einer Silbe auf die nächste den Klang einer gefährlich scharfen Rasierklinge an und Dean musste sich konzentrieren, um nicht zusammen zu zucken. Er konnte Steve nicht hören. Egal, wie sehr er sich bemühte, wie sehr er sich konzentrierte, er konnte ihn nicht hören, kein Wimmern, kein Schreien, keine schmerzschweren Tränen, nichts. Nichts. Er spürte, wie Panik und Adrenalin sich heiß und brennend in seinem Blut mischten, aber er schluckte es mühselig hinunter, einmal, zweimal, bis sich seine Stimme sicher genug anfühlte. “Wo-” Sie brach in der Mitte durch, er brach, zog tief Luft ein und setzte erneut an. “Wo ist er? Wie- Was hast du getan?” Alastair’s Zunge schnalzte wie ein Peitschenhieb missbilligend durch die Leitung. “Na, na, na, Dean! Ich habe dir zuerst eine Frage gestellt: Hast - du - es - mit - meinem - Mann - getrieben?” Dean hörte, wie Alastair’s Finger bei jedem Wort auf etwas klopfe, hart, fest - metallern? Er schluckte wieder, schloss die Augen in dem Bemühen, weiter, tiefer in den Hintergrund zu lauschen. Er musste doch etwas hören! “Oh, Deeeaaan. Ich werde nicht gerne ignoriert.” Die trügerische Süße in Alastair’s Stimme trieb eine stechendkalte, unwohle Gänsehaut über seinen Rücken. Jedes Wort fühlte sich an, als würde man einen weiteren Schritt auf einen schneebedeckten, zugefrorenen See machen, unfähig zu sagen, wie viele Risse das Eis bereits hatte und wann es brechen und einen einfach verschlucken würde. Gott. So war es gewesen, nicht wahr? All die Zeit über war es für Steve genau so gewesen. - Und Dean hatte nichts dagegen unternommen. Ein metallisches Fling-Geräusch, gefolgt von einem mechanischem, lauten Klicken holte Deans Aufmerksamkeit zurück auf seinen eigentlichen Fokus, seinen wichtigen Fokus und er schluckte erneut hart gegen plötzliche Trockenheit in seinem Mund. Er musste, musste wissen, wie es Steve ging. Er musste. Musste! Seine Lippen wölbten sich mehrfach widerspenstig, trocken geatmet und mit dem Geschmack von saurer Galle daran, bevor er die nächsten Worte heraus pressen konnte. “Alastair, wo ist er. Was hast du getan?” Sein Herz raste so laut in seinem Hals, direkt unter seinem Kehlkopf, dass er das Gefühl hatte, man könnte seine Wörter darüber nicht einmal hören. Aber er musste es wissen, nur das. Nur ein Geräusch von Steve. Alastair seufzte, laut, gedehnt und - nahezu enttäuscht? “Weißt du Dean, es ist unheimlich unhöflich nicht zu antworten. Aber offensichtlich hast du mit der Antwort dieser Frage, massive Probleme, also machen wir eine kleine Bonusrunde, einverstanden?” Alles in Dean stoppte, seine Lunge, sein Herz, sein Blut, schien zum Stehen zu kommen, vollkommen erstickt in dem Gefühl einer nahenden Katastrophe, die sich frostkalt durch die Gletscher von Alastair’s Stimme aufbaute; Als würde eine Lawine auf einen zurauschen, walzend, übermächtig und unmöglich abzuwenden. “Alastair-” “Ich habe zwei Fragen für dich, mein lieber Dean. Erstens: Was halte ich in meiner Hand?” Dean runzelte die Stirn. “und zweitens: Wie testet man nach einem Schlag auf den Kopf”, Alastair’s Stimme sprang bei dem Wort in einer geradezu spitzbübischen Boshaftigkeit, “den Schweregrad der Verletzung?” Die Puzzleteile fielen in Deans Kopf an ihren Platz, wie Schnee und Eis von einem Dach auf einen Passanten. Großer Gott. Großer Gott, nein! “Alastair-!” “Erstens: Ein Messer.” Nein. Nein, nein, nein, nein, nein! “Zweitens-” Ein gellender Schrei brach unvermittelt durch die Leitung. Er riss Dean mit sich, ließ ihn taumeln und schwanken, nein, nein nein nein!, sodass er sich an seinem Schreibtisch abstützen musste. Seine Lunge war leer und flach in seinem Körper, sein Kopf schwirrte in dem heißen, schmerzerfüllten Strudel von Steves Schrei. Nein, nein, nei-! Plötzlich wurde der Schrei dumpf, leiser, gurgelnd, als würde- Seine Finger wurden taub bei dem Gedanken. Als würde Alastair Steves Mund zuhalten. “Oh, Hallo, Castiel! Schön, dass du wieder bei uns bist!” Rasiermesserscharfe Wut schnitt kalt in Alastair's Stimme. “Also, Dean, hast du es mit meinem Mann getrieben?!” Seine Worte schlugen auf Deans Ohren wie eine Peitsche und er zuckte heftig zusammen und ohne nachzudenken sprudelte eine Antwort aus ihm heraus, schnell, hektisch und taub: “Nein!” Dieses eine Wort ließ ihn bereits atemlos nach Luft schnappen. Alaistaris missbilligendes Zungenschnalzen vermischte sich mit einem unterdrückten, nassen Wimmern im Hintergrund. Großer Gott! “Ach, nein? Dann sag mir, woher ihr euch kennt. Hast du ihm diesen Floh ins Ohr gesetzt? Dass er mich verlassen soll?” Das nasse Wimmern wuchs zu einem dumpfen, schmerzlauten Schluchzen. Was machte er mit ihm?! Deans Hände zitterten und er kämpfte einen schweren Schluck Luft durch seinen zu engen, zu trockenen Hals und seine Finger um die Tischkante. Er war machtlos. Hilflos. Das konnte nicht wirklich passieren, oder? Das durfte nicht passieren. Seine Augen fielen auf den Tracker. Sie wären jeden Moment an dem Gebäude. Sie müssten nur noch die Wohnung finden. Dann würde es Steve wieder gut gehen, dann wäre alles in Ordnung. Jo und Rufus würden sich um Alastair kümmern; Und er sich um Steve. Sie mussten nur noch ein wenig durchhalten, nur ein kleines bisschen. Er musste das schaffen. Er würde das schaffen. Etwas klicke in Dean an seinen Platz und er ballte die zitternden Finger in feste Fäuste. Er hielt sich daran fest, zog den Gedanken schützend um seine bebenden Muskel und seine rasenden Gedanken. Er musste ihn nur beschäftigen. Dann würde Steve nichts mehr passieren. Er musste nur richtig antworten. Der nächste Atemzug fiel ihm leichter. Er war dafür ausgebildet worden. Er hatte gelernt Gespräch zu steuern, das zu sagen, was er sagen musste, damit alles nicht weiter eskalierte. Er konnte das. Er würde Steve da raus kriegen. Er konnte das. “Alastair-” “Falsche. Antwort!” Steves unvermittelter, erstickter, gurgelnder Schmerzensschrei brandete erneut durch die Leitung, ertränkte ihn in mitreißender Panik und Dean verlor erneut alle Fassung: “Im Laden! Okay! Im Laden! Ich hab Kekse gekauft!” Alles um Dean herum war leer, es war egal, wo er war, er wusste nicht mal mehr, wo er war, vollkommen fixiert und konzentriert auf Steves feuchte, wimmernde Atemzüge, die sich unter Alastair's Hand durchmogeln konnten und dem zähsüßen Gurren von Alastair. Gott, er war wahnsinnig. “Ich glaube, Dean, langsam verstehst du die Regeln.” Dean wischte sich den kalten Schweiß von der Stirn, während er tief durchatmete. Okay, wenn er mitspielen musste, dann würde er mitspielen. Kein Problem. Sie würden das schaffen. Er musste schneller antworten! “Ja, ich hab sie verstanden.” Das Geräusch als Alastair’s Kehle klang fast wie ein Schnurren. “Hörst du, Castiel, so erwarte ich Antworten.” Steves Atem zog scharf durch seinen abgedeckten Mund. “Also, Dean: Hast du ihm diesen Floh ins Ohr gesetzt?” Ja, verdammt. Das hatte er. Das war seine Schuld. Seine Schuld. Aber was würde Alastair erst tun, wenn er das zugab? Deans Zähne schmerzten, so fest biss er sie aufeinander: “Nein.” “Lüg mich nicht an.” Er schloss die Augen, konzentrierte jede Faser seiner Stimme darauf klar zu sein, aufrichtig. Er musste ihn überzeugen. “Nein.” “Lüg. Mich. Nicht. An.” “Nein!” Der Schmerzensschrei war lauter diesmal, aber nicht weniger bedeckt; Die Schmerzen waren nur schlimmer. Sie waren schlimmer! Dean schlug mit der Faust auf den Tisch, als könnte das brennende Pochen in seiner Handkante etwas an Steves Schmerzen ändern, die durch durch sein Gehör, seine Knochen, seine Muskeln, seinen gesamten Körper brandeten wie eine Sturmflut aus Eis und Schnee. Schmerzen, die er verursachte. An denen er Schuld war! Er- “Sag mir die Wahrheit, Dean!” Alastair’s Stimme war der kalte Singsang von frisch getautem Schnee und etwas in Dean fiel von seinem Platz. Er konnte nicht gewinnen. Er konnte nicht so antworten, dass Alastair Steve nicht mehr weh tat. Er hatte verloren. Er war ein Teil davon. In dem Moment, in dem Steve auf ihn reagiert hatte, in dem Moment, in dem Steve seinen Namen gerufen hatte, war er Teil von Alastair’s Manipulation geworden. Er war nicht objektiv, es war Steve, verdammt. Sein Steve. Er konnte nicht objektiv sein, er konnte nicht richtig antworten, weil er Steve gegen ihn benutze - und ihn gegen Dean. Alastair konnte Steve unter Kontrolle halten, weil er ein Teil davon geworden war. Übelkeit stieg in seinem Mund auf, seiner Luftröhre, seinem Blut, während sein fassungsloser Blick unfixiert auf den Monitor starrte, wo leise, kleine, nasse Ausschläge von Steves Tränen und Schmerzen zeugten. Es war seine Schuld. Es war seine Schuld. Er konnte nicht auflegen und er konnte nicht richtig antworten. Er konnte Steve nicht beschützen und er konnte nicht richtig antworten. Er hatte verloren. Er hatte ihm direkt in die Karten gespielt, ohne es zu wissen und Alastair hatte gewonnen. Egal wie er antworten würde, er würde Steve wehtun, immer und immer weiter, bis Jo und Rufus die richtige Wohnung fanden - und dann könnte es bereits zu spät sein. Alastair war wahnsinnig. Er. Hatte. Verloren. Es war wie ein dumpfer Schlag, Wut, Verzweiflung, Angst, der durch seinen gesamten Körper stob, durch seinen Kopf, seinen Torso, bis in seine zur Faust geballten Hände, in seine Kehle, auf seine Zunge. Aus seinem Mund. “Das habe ich! Du, Bastard! Du, verfluchter Bastard! Hör auf! Hör auf! Lass ihn in Ruhe!” Das eisige, freudlose Geräusch von der anderen Seite der Leitung glich in perverser Weise einem Kichern. “Oh, Dean. Glaubst du, ich habe Angst vor dir? Glaubst du, du kannst irgendetwas tun?” Deans Kiefermuskeln pressten sich starr aufeinander. Das funktionierte nicht. Er hatte verloren, als er ein Teil davon geworden war. So hielten sie nicht durch, so konnte er Steve nicht beschützen. Alastair wäre nicht zufrieden, egal, was er sagen würde. Er konnte nicht gewinnen. Er musste etwas anderes tun. “Hör auf ihm wehzutun.” Bitte, irgendetwas anderes. “Wie lautet dein Nachname, Dean?” Er schloss mit einem harten Atemzug die Augen. Nein. Nein, das musste aufhören. Er musste Zeit schinden, er musste- “Hör auf ihm wehzutun.” Seine Hände zitterten wieder. Etwas anderes. “Wie du möchtest-!” “Alastair, nicht!” Der Schrei war gedämpft, laut und merkwürdig gurgelnd, aber das war nicht alles, was er hörte. Da war ein weiteres Geräusch, ein surrendes Luftrauschen, ein kleiner Pfeifton, wie ein Ballon, der langsam Luft verlor und dabei unter Wasser gedruckt wurde, leise, pfeifend, blubbernd. “Hörst du das, Dean? So klingt eine perforierte Lunge. Er hat zwei davon! Hörst du, wie die Luft austritt? - Wie lautet dein Name?!” “Winchester!” Der letzte Rest Luft in seinen atemlosen Lungen presste das Wort über seine Lippen. Alastair war wahnsinnig. “Mein Name ist Dean Winchester.” Alastair schnurrte fast, vollkommen zufrieden mit dem weichen, wackligen Tonfall in Deans Stimme, dem nassen Schatten, der mit Atemlosigkeit und Panik seine Luftröhre hinauf kletterte und sich um seine Stimmbänder legte, seinen Hals zuschnürte und seine Muskeln versteifte. Er war wahnsinnig, wahnsinnig! Er würde Steve- Er würde- “Sehr gut, Dean. Sehr gut.” “Hör auf, ihm weh-” “Da ich davon ausgehe, dass du versucht meinen Mann zu ficken, glaube ich nicht, dass du eine Frau hast, oder eine Freundin. Vielleicht einen Freund? Nein? Eine Schwester vielleicht? Einen Bruder?” Dean konnte den besiegten, langen Atemzug nicht aufhalten, der seine Lippen verließ. “Ah, einen Bruder.” “Alastair-” “Falls du glaubst, mein lieber Dean, du könntest irgendetwas tun, dich irgendwie rächen oder wehren oder auch nur darüber nachdenken, was hier gerade passiert, es irgendjemandem erzählen. Dann möchte ich, dass du weißt, ich werde deinen Bruder finden. Ich werde ihn finden, Dean, und dann - werde - ich - ihm - wehtun. Schlimmer noch als Castiel. Ich werde ihm wehtun.” Steve schluchzte hoch und schmerzerfüllt auf. “Und dann, Dean, werde ich dich finden - und ich werde dir wehtun. Ich werde dir so unvorstellbare Schmerzen bereiten, dass du den Verstand darüber verlieren wirst. Hast du mich verstanden?!” Sein eigener Herzschlag war derart dumpf und taub in seiner Brust, dass er ihn kaum noch spüren konnte. Er hatte verstanden. Er hatte alles verstanden. Aber Jo und Rufus durchkämmten die Stockwerke. In welchem Stockwerk waren sie? Er hörte das gurgelnde, röchelnde Atmen von Steve, so fragil und schwach und falsch. “Hör auf-”, er musste nach Luft schnappen, “-ihm wehzutun.” “Ich werde dich finden, Dean Winchester, und dann bring ich dich um.” Der plötzliche Schrei, der alles durchbrach war laut, wütend - und nicht von Steve. “Du verdammter- Wo willst du ihn?!” Alastair's eiskalte Wut brach durch die Leitung und schüttelte Dean aus seiner Starre. Er griff an sein Headset, drückte es näher, fester an sein Ohr, um kein Geräusch zu verpassen. Steve! Steve, Steve, Steve, Steve! Was tat er?! Was verflucht machte er da?! “Gib mir-! Gib mir das! Gib her!” Der Knall von Haut auf Haut zog durch die Leitung und dann ein Klicken. “Tz.” Dean konnte hören, wie etwas zu Boden fiel, klobig, fest, was?!, und dann ein erneutes Klicken, wieder, wieder, Klack, Klack, Klack. Metallern, routiniert und so vertraut. “Kannst du dir das vorstellen, Dean?” Bitte nicht. Bitte nicht. Bitte, bitte, bitte. “Unser lieber Castiel hat eine Waffe in unser Heim gebracht, eine geladene - auch noch. Schämst du dich gar nicht, Castiel? Du hättest jemanden verletzen können.” Dean schloss kraftlos die Augen. Bitte nicht, bitte, bitte, bitte. “Wolltest du damit deinen kleinen Freund beschützen, hm?, Castiel? Wolltest du? - Wolltest du mir wehtun?” Ein gurgelnder, flacher Atemzug war die Antwort. Bitte nicht. Dean hörte das bekannte Geräusch eines gespannten Hahns. Sie hatten verloren. “Du wirst ihn nicht haben. Und er wird dich nicht haben. Niemand wird dich haben, Castiel. Niemand. Außer. Mir.” Es war vorbei. “Alastair.” Er hörte, wie die feuchte Mutlosigkeit weiter seine Stimmbänder hinauf kroch, wie sie sich auf seine Kehle und seine Zunge und seine Lippen legte, wie sie seine Worte weich, nass und wacklig machte. “Bitte.” “Keine Sorge. Vielleicht findet ihr euch ja im nächsten Leben. Denn in diesem gehört er ganz mir.” Die Pause, die sich durch die Leitung schob, dauerte eine ganze Ewigkeit. “Ich denke, ich werde ihm ins Herz schießen, Dean. Als kleines Andenken an dich.” “Alastair-” PENG! PENG! |