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Close To Home (von iesika) | Teil 10/18 - tenten31 - 08.09.2020 Mittwoch An diesem Morgen war Kon verdammt müde – er war noch bis ziemlich spät in Gotham geblieben und hatte Tim geholfen, eine Ladung irgendeiner Chemikalie aufzuspüren – und er schon während der gesamten Farmarbeit und dann während er zur Schule flog, ließ er sich so viel Zeit wie nur möglich. Er hatte keine Ahnung, was er zu Jake sagen sollte, wenn er ihn sah, oder wie er sich ihm gegenüber verhalten sollte. Tut mir leid, dass ich nicht bemerkt hab, dass du vielleicht auf mich stehen könntest? Bitte steh nicht mehr auf mich, damit wir wieder Freunde sein können? Er wünschte sich fast, er hätte in Gotham bleiben können. Alvins Wohnung war zwar ein Drecksloch, aber die Couch war bequem. Tim hätte sicher nichts dagegen gehabt. Er war die ganze Nacht schon guter Laune gewesen und hatte sich nicht einmal besonders über Kons missliche Lage lustig gemacht. Tim schien das hier genau wie jeden anderen Undercover-Einsatz zu behandeln, was so ziemlich das wundervoll Beruhigendste war, das Kon sich hätte erhoffen können. Tims Undercover-Arbeit war eben einfach gut. Er hatte Kon über Jake und die anderen Kids ausgefragt, bis sie ganz genau geklärt hatten, was er über sie und über Smallville wissen sollte. Alles, was Jake wusste, war ‚Tim aus Gotham‘ und dass sie sich an den Wochenenden sahen. Tim hatte sehr darauf bestanden, dass er es nach Möglichkeit dabei belassen sollte, bis sie sich auf etwas Konkreteres geeinigt hatten, und dass er es möglichst simpel und wahr halten sollte, wenn er nicht darum herum käme, jemandem irgendwas zu erzählen. Kons Cousin war mit Tims Familie befreundet und so hatten sie sich auch kennengelernt. Sie kannten sich seit fünf Jahren. Tim war bereits mit der Schule fertig und etwas älter – 13 Jahre älter, wenn man es ganz genau nahm. Oder 15, wenn man die Zeit, die Kon tot gewesen war, mitzählte, aber dieser Teil war egal. Es hätte auf jeden Fall schlimmer sein können. Kon war sich ziemlich sicher, er hätte Tim die Hölle heißgemacht, wenn es anders herum gewesen wäre. Andererseits hätte Tim sich nie in Kons Lage gebracht, außer als Teil eines einzigen großen, raffinierten Plans. Tim war der Meister raffinierter Pläne. Das einzige Sticheln von Tims Seite war über Kons Bobachtungsgabe gewesen, was Kons Meinung nach wahrscheinlich nur fair war. Er hatte allerdings Kon mit Dick verglichen, was absolut nicht fair war. Jake hatte sich ihm immerhin nicht an den Hals werfen müssen, um seine Aufmerksamkeit zu bekommen… Er sah Jakes Truck nicht auf dem Schulparkplatz, aber das musste nichts heißen, oder? Vielleicht hatte ihn jemand mitgenommen oder so. Vielleicht ging er Kon nicht aus dem Weg. Vielleicht… Kon hielt auf den Stufen zum Haupteingang inne. Etwas stimmte nicht. Er wusste nicht so recht, warum er das wusste, aber – nein, er müsste nur anhalten und sich darauf konzentrieren – darauf, was ihm seine Sinne mitteilten. Niemand war hier draußen, auf den Stufen zum Haupteingang. Normalerweise waren die Stufen zu dieser morgendlichen Zeit voll mit Schülern, die herumliefen oder auf ihre Freunde warteten. Heute war niemand hier und Kon konnte lediglich ein paar Leute in der Eingangshalle beim Sekretariat hören. Der größte Teil des Schulgebäudes war leer, aber in der Turnhalle hatte sich eine unruhige Menge versammelt. Alle waren auf den Tribünen und ein gedämpftes Murmeln war zu hören. Sie hatten Angst, stellte er fest, als er den Klang ihrer Stimmen und ihre erhöhten Herzschläge erkannte. Er konnte in der allgemeinen Unruhe keine Einzelstimmen ausmachen, aber die nervöse Anspannung, die über allen lag, stellte ihm regelrecht die Nackenhaare auf. Er schob die Tür auf. Zwei Lehrerinnen standen auf dem Gang und gaben Schülern Anweisungen – Kon hatte eine von ihnen vor einer Weile mal im Computerkurs gehabt. Und – Himmel, ging es ihm durch den Kopf, als der Mann sich umdrehte – ein Polizist. Ein Polizist in Uniform, mit Waffe und allem. Kon hoffte wirklich sehr, dass er hier war, um ihnen von oben herab etwas über Drogen zu erzählen. „Conner“, sprach Miss Spencer ihn an, als sie ihn sah, „Es gibt heute Morgen eine Versammlung in der Turnhalle.“ „Was ist denn passiert?“, fragte Kon und sein Herz schlug ihm mit einem Mal bis zum Hals. Miss Spencer sah zu den Türen, wo gerade eine Gruppe Schüler herein kam. „Bitte geht einfach in die Turnhalle!“, wies sie angespannt an. Shit! Kon schluckte schwer und setzte sich wieder in Bewegung, allerdings nur so lange in normal menschlichem Tempo, bis er außer Sichtweite war. Er beeilte sich, zur Seitentür zu kommen und wurde im überdachten Durchgang, wo ein paar Schüler vor der Turnhalle um ein paar Lehrer herum standen, wieder langsamer. Innerhalb der offenen Doppeltür stand eine weitere Polizistin, eine zierliche blonde Frau mit einem Funkgerät in der Hand. Niemand antwortete auf die Fragen der anderen Schüler und so ging Kon direkt nach drinnen. Er erkannte Delilah an ihrer Frisur und Clarence an seiner Größe, und lief hastig durch die offene Halle, um zu ihnen die Tribünen hinauf zu kommen. Der größte Teil des Clubs war ebenfalls da und hatte sich verteilt, um Plätze freizuhalten. Mel stand am Ende der Sitzreihe und schien durchzuzählen. „Wer fehlt denn noch?“, fragte er, als er bei ihnen ankam. „Conner!“, rief Delilah und drängte sich an Mels Freundin vorbei, um ihn fest zu umarmen. „Gottsei-fucking-dank! Niemand wusste, wo du steckst—“ „Ich bin grad erst angekommen“, meinte er. Er umarmte sie ebenfalls und drückte sie sanft zurück in Richtung ihres Sitzplatzes, bevor er sich wieder Mel zuwandte. „Ich wünschte, wir hätten ein vernünftiges Mitgliederverzeichnis“, seufzte sie frustriert, „Ich kann‘s nicht sicher sagen. Aber ich hab weder Daniel gesehen, noch Caroline noch Beth noch Hamilton—“ „Noch Jake“, fügte Kon hinzu, wobei er ein dumpfes Gewicht in seinem Magen spürte. Sie nickte. Fucking Fuck – Kon drehte sich um seine eigene Achse und suchte die Tribünen ab. Cross kam in die Turnhalle, seine Hände erhoben, und alle wurden ein wenig leiser. Es half Kon sich zu konzentrieren und kurz darauf fand er Hamilton auch beim Football-Team und Beth und Caroline zusammen nahe der Tür. „Liebe Schüler“, fing Cross an, seine gestresste Stimme von einem Mikrofon verstärkt, das an seiner Krawatte befestigt war, „Bitte setzen Sie sich, ich—“ Es gab eine quietschende Rückkopplung und Kon kauerte sich zusammen, seine Hände über den Ohren. Mel bedachte ihn mit einem seltsamen Blick, aber legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Ich bitte Sie, sich zu setzen und leise zu sein.“ Die Lehrer von draußen kamen herein und schlossen schließlich die Türen hinter der letzten Gruppe Schüler, in der auch – Kon ließ sich auf seinen Sitz fallen. Jake. Jake war okay. Er schlüpfte in letzter Sekunde noch herein, zusammen mit ihrem letzten fehlenden Clubmitglied, und ging mit den Mädchen direkt die Tribüne an der Tür hinauf. „Wir sind okay“, sagte Kon, „Alle sind hier.“ „Oh gottseidank!“, flüsterte Mel und bekreuzigte sich. „Bitte!“, wiederholte Cross. Kon hatte seine Stimme noch nie so gehört. So knapp und rau und angespannt genug, um alle seine Superhelden-Instinkte zu aktivieren. Und er war ganz bestimmt nicht der Einzige gewesen, dem das auffiel, denn die ganze Turnhalle verstummte endlich. „Vielen Dank! Ich fürchte, ich habe bedauerliche Nachrichten. Es gab einen weiteren—“ Seine Stimme überschlug sich und er brach ab, um sich kurz zu räuspern. „Ein Mitglied unserer Schule wurde letzte Nacht Ziel eines brutalen Angriffs und—“ Neben Kon schlug Katie die Hand vor den Mund. Das Murmeln erhob sich erneut, aber Cross redete trotzdem weiter. Kon suchte noch einmal die gesamte Menge ab; hatten sie jemanden vergessen? „Das Opfer war einer unserer Mitarbeiter“, klärte Cross auf und Kon gefror das Blut in den Adern. Oh Gott! Sie hatten die Schüler gezählt, aber— „Alex Dalton wurde letzte Nacht in seiner Wohnung überfallen.“ Cross wurde vom Aufschrei mehrerer hunderter Schüler übertönt. Fast alle an der Smallville High hatten früher oder später Biologie. Das Fach war Teil der Qualifikation fürs College genauso wie des Agrar-Lehrplans. Und – naja, Daltons Kurs war nicht leicht, aber er war sympathisch. Die meisten Schüler mochten ihn sehr. Er war jung und etwas nerdig und absolut fucking ernsthaft in allem. Cross rief zur Ruhe auf. Als Kon zurück ins Hier und Jetzt fand, spürte er das Stechen von Holzsplittern unter seinen Nägeln. Er hatte sich so fest in die Stufe verkrallt, dass er das dünn lackierte Holz eingedrückt hatte. Kon interessierte es nicht einmal wirklich – sein Magen verkrampfte sich und er konnte kaum etwas sehen. Dalton. „Bitte!“, rief Cross über den Lärm, „Ruhe allerseits! Er hat den Angriff überlebt, aber—“ Alle Versammelten verstummten augenblicklich, als hätte jemand sie stummgeschalten. „—aber er steht auf Messers Schneide. Er liegt auf der Intensivstation und ist bis jetzt noch nicht aufgewacht – ich weiß leider nicht alle Details, aber es ist sehr ernst. Wir haben erst sehr spät letzte Nacht davon erfahren und ich habe noch keine Vertretung auftreiben können, wenn Sie also—“ Cross redete weiter, aber Kon hörte ihn nicht mehr. Er schüttelte Mel und Katies Hände ab und ließ sich an der Seite der Tribüne hinab, blieb eng an die Wand gedrückt und rannte zur Tür. Eine Polizistin und ein Lehrer kamen auf ihn zu, aber er wich ihnen aus und lief weiter, bis er bei der Tür ankam, halb blind vor Tränen und heißer Wut, krank vor Selbsthass. Etwas packte ihn am Arm und Kon wirbelte angriffslustig herum – Jake. Kon erstarrte, eine Hand erhoben. „Hey“, sprach Jake ihn leise an. Eine Lehrerin hatte Jakes anderen Arm gepackt und versuchte ihn zurück auf die Tribüne zu drängen, aber Jake ignorierte sie. „Komm, setz dich zu—“ Kon riss sich los, mit genug Kraft, um Jake gegen die Wand zu schleudern. Das plötzliche Aufblitzen von Angst im Gesicht des anderen Jungen ließ den Knoten in Kons Brust sich nur noch fester ziehen. „Es ist meine Schuld“, zischte Kon. „Nein!“, gab Jake zurück. Die Lehrerin half ihm auf und einer der Polizisten legte Kon eine Hand auf die Schulter, gerade als Jake warnend meinte: „Deine Augen!“ Seine – Shit! Shit! Kon kniff fest die Augen zusammen und drängte sich durch die Türen, hinaus in den Frühlingstag, die Luft kühl nach der Hitze in der vollen Turnhalle. Ein einziger Polizist stand im Durchgang und natürlich war Kon schneller. Er lief um das Gebäude herum, außer Sichtweite, und erhob sich so schnell in die Luft, dass er sie wie eine Welle um ihn herum brechen spürte. Auf Messers Schneide, hatte er gesagt. Intensivstation. Noch nicht aufgewacht. Kon wurde übel. Es war alles seine Schuld. *
In Smallville gab es kein Krankenhaus – jedenfalls kein richtiges. Kon verlor keine Zeit und sah nicht einmal in der ambulanten Praxis am westlichen Ortsrand nach; er flog direkt zum Lowell County General Krankenhaus und landete hart genug im Park auf der Straßenseite gegenüber, um einen kleinen Krater zu hinterlassen. Hastig überquerte er die Straße und den Parkplatz, lief direkt zum Haupteingang, bevor er sich erinnerte, dass er immer noch Brille und ein Karohemd trug. Shit! Er glaubte nicht, dass ihn jemand hatte landen sehen, er sollte also okay sein – außer, dass alle im Atrium ihn anstarrten. Am Empfang stand bereits eine Schlange, weshalb Kon stattdessen lieber zu der großen Wandkarte ging. Eine Frau in blauer Krankenhaus-Kleidung kam hinter dem Schalter hervor und besorgt zu ihm hinüber. Kon war viel zu beschäftigt damit, aus der Legende schlau zu werden, um sie wirklich zu bemerken, bis sie ihm eine Hand auf den Arm legte. „Ist alles in Ordnung mit dir, Junge?“, fragte sie, „Bist du verletzt?“ Er drehte sich zu ihr. „Wo ist die Intensivstation?“ „Fünfter Stock“, antwortete sie. Als er sich in Richtung der Aufzüge in Bewegung setzen wollte, verstärkte sich ihr Griff. „Du kannst aber nicht einfach—“ Außer dass er offensichtlich doch konnte, denn er hatte sie bereits abgeschüttelt und war durch die Tür zu den Treppen, bevor sie überhaupt mit ihren Satz fertig war. Er hörte keine Schritte, weshalb er einfach zwischen den Treppen gerade nach oben flog, bis zum fünften Stock, wo er durch die Tür in eine weitere Empfangshalle kam. Hier gab es auch einen Empfangstresen und noch mehr Frauen in blauer Krankenhaus-Kleidung. Kon hielt auf sie zu und beugte sich über den Empfang. „Ich muss einen Patienten finden“, gab er eilig an, „Alex Dalton. Er wurde letzte Nacht eingeliefert.“ „Gehören Sie zur Familie?“, fragte eine der Frauen. Die andere wandte sich ihrem Computer zu und gab etwas ein. „Nein“, gab Kon ohne nachzudenken zurück und wollte sich im nächsten Moment dafür selbst treten. „Er ist mein Lehrer“, versuchte er zu erklären, „mein – mein Freund. Bitte, ich muss wirklich—“ „Oh“, machte die zweite Frau leise. Sie drehte sich zu ihm um: „Der Lehrer. Es tut mir leid, Junge, sein Zimmer ist abgeriegelt.“ „Was?“ „Er steht unter Bewachung“, erklärte sie, „Kansas-State-Polizei.” „Aber—“ Kon verstummte. Was würde die Polizei schon tun können? Sie mussten einen Meta aufhalten! „Wir können dich leider nicht zu ihm lassen ohne Zustimmung durch Angehörige“, erklärte die erste Krankenschwester. Sie warf ihrer Kollegin einen Blick zu. „Eigentlich dürften wir nicht mal bestätigen, dass er hier ist.“ „Um Himmelswillen, Marianne, sieh ihn dir an!“, gab die andere Krankenschwester gereizt zurück. Sie umrundete den Empfang. „Hier, Junge, komm mal mit. Du solltest dich besser hinsetzen, bevor du uns noch umfällst.“ Sie legte eine braune Hand in seinen Rücken und führte ihn zu einer Glastür in der Nähe der Aufzüge. „Sie verstehen nicht“, widersprach Kon, ließ sich aber in einen kleinen Raum voller Getränkeautomaten und billiger, unbequem aussehender Stühle führen. Sie drückte ihn in einen Stuhl, der die Farbe einer fauligen Avocado hatte, und Kon setzte sich. Der Stuhl ächzte unter seinem Gewicht, hielt aber. Kon hielt sich an seinen Knien fest, so dass er nichts kaputtmachen würde. Die Schwester tätschelte seine Schulter und holte ihm einen Pappbecher Wasser und – oh. Eine Packung Taschentücher. Kon nahm verlegen ein paar davon an sich und wischte sich damit über das Gesicht. Dann schnäuzte er sich so leise er konnte. „Oh, Schätzchen“, machte die Schwester, „Bist du allein hier? Wo sind denn deine Eltern?“ „Meine—“ Kon spürte die Worte in seinem Kopf umher rattern, konnte sie aber nichts zuordnen. „Was?“ Himmel, war seine Stimme rau! Er klang überhaupt nicht wie er selbst. „Deine Eltern“, wiederholte sie offen besorgt. „Du bist doch nicht so hierher gefahren, oder?“ Kon schluckte. Fuck, man konnte ihm doch jetzt nicht zumuten, eine glaubhaft klingende Geschichte zu erfinden! Das einzige, was ihm einfiel, war Tims Ratschlag für den Umgang mit seinen Freunden – es simpel zu halten. Und wahr. „Ich hab keine Eltern“, gab er zurück, „Ich bin allein hier. Als ich gehört hab, was mit Mister Dalton passiert ist, bin ich so schnell ich konnte hierher gekommen. Alles ist irgendwie recht verschwommen.“ Dieser letzte Satz war eine absolute Untertreibung. Kon war sich einigermaßen sicher, dass er nicht durch ein Flugzeug oder sowas hindurch geflogen war auf dem Weg hierher, aber… „Er muss ein verdammt toller Lehrer sein“, meinte die Schwester leise. „Der beste“, antwortete Kon, bevor er nur noch sein Gesicht in das durchnässte Bündel Taschentücher drücken und versuchen konnte, möglichst wenige Geräusche zu machen. Die Tür öffnete und schloss sich hinter ihm, aber Kon machte sich nicht einmal die Mühe aufzusehen. Gott, es war alles seine Schuld. Wenn er Dalton nicht um Hilfe gebeten hätte, wenn er wachsamer gewesen wäre, wenn er überhaupt in fucking Kansas gewesen wäre, als es passiert war— In seiner Wohnung, hatte Cross gesagt. Wer auch immer es gewesen war, hatte ihn in seiner verdammten Wohnung angegriffen. Das war nicht – Fuck, Kon wusste nicht einmal, wo er wohnte. Hätte er es von der Farm aus gehört? Was, wenn er im Ort gewesen wäre? Mit einem Mal verstand er Tims bescheuerte, gruselige Kameras – den Drang, auf alle aufzupassen, jederzeit, einfach nur um sicher zu sein, dass wenn etwas passierte— Irgendwas passierte immer. Irgendein Soziopath wartete immer nur darauf, eine Lücke auszunutzen, um jemanden mit Stromschlägen zu töten oder jemandem einen Herzinfarkt zu verpassen oder jemanden zu Boden zu prügeln oder jemandem die Kräfte zu stehlen und dann sechs zu eins zu überfallen oder einen verfickten Krieg anzuzetteln. „Aber hey“, machte die Schwester aufmunternd und tätschelte sein Knie, „Wie heißt du denn, Junge? Gibt es jemanden, den ich für dich anrufen kann?“ Kon schluckte schwer und schaffte es, sein Gesicht wieder unter Kontrolle zu bringen. „Conner“, antwortete er mit belegter Stimme. Er konnte Kaffee riechen. Kon ließ seine Hände sinken. Vor ihm stand eine Frau mit einem Pappbecher – keine weitere Krankenschwester, zumindest glaubte er das nicht. Sie war schmal und blass, trug Bluse und Rock und Strumpfhosen, ihre braunen Haare wirkten schlaff und ihr Gesicht verhärmt. „Du bist Conner?“, fragte sie und ging in die Hocke, mit ihm auf Augenhöhe, „Conner Kent?“ Mit einem Mal erinnerte er sich an sie, von der Beerdigung, als sie neben Dalton gesessen hatte und sich mit ihm abgewechselt hatte, ein kleines Mädchen auf dem Schoß zu halten. „Das hier ist meine Schuld“, flüsterte er, denn er traute seiner Stimme nicht. „Ist es ganz bestimmt nicht“, gab sie freundlich zurück, „Lucille, können wir ihn auf die Liste setzen?“ „Klar“, lächelte die Krankenschwester. ~> tbc in Teil 11 |