A/N: Drabble entstanden im Rahmen der Spring Is In The Air Challenge zum Begriff 22. The Lazy Song – Bruno Mars. Alipotsy ist eine Erfindung meiner liebsten Jily-Schreiberin, das habe ich hier nur aufgegriffen. Aber jetzt: Enjoy.
„Prongs?“ nuschelte Sirius.
„Mhm?“
„Was machst du?“
„Nichts. Wieso?“ James drehte den Kopf ein wenig und öffnete ein Auge, um zu seinem besten Freund hinüber zu blinzeln. Er bereute es augenblicklich, als eine heiße Nadel sich direkt hinter seinen Augen in sein Gehirn bohrte.
Padfoots Antwort bekam er nicht mit, aber so wichtig konnte sie nicht gewesen sein. Selbst mit geschlossenen Augen hätte James gehört, wenn Sirius sich auch nur annähernd bewegt hätte.
Zum Glück mussten sie sich heute nicht bewegen. Es war Ferienanfang, kein Quidditch, kein Unterricht. Wenn sie jetzt noch ihren Alipotsy-Kater überwanden, könnte das richtig angenehm werden.
A/N: Hier ist mein erstes Drabble, dass im Rahmen der ersten Spring-Challenge zum 22. Song der Liste "Lazy Song" von Bruno Mars entstanden ist. Dabei kam dieses Drabble heraus
„RONALD WEASLEY“, schrie es vom Obergeschoss herunter und sorgte dafür, dass der junge Vater vom Schreck gerührt aufwachte und beinahe drohte vom Sofa zu fallen. Zerknirscht entfuhr ihm ein „Hhmpf“, von dem er jedoch recht genau wusste, dass es leise genug war, um nicht bis an die Ohren seiner Frau zu gelangen. Seitdem Hermine geworfen hatte, was sie hatte ich unausstehliche Laune noch mehr Fahrt aufgenommen, was wiederum dafür sorgte, dass er kaum zu Ruhe kam. Nachmittagsschläfchen am Sonntag? No way!
„Ja, Schatz?“, rief er zurück und erhob sich missmutig, um zur Treppe zu schlurfen. „Vergiss den Müll nicht wieder!“
A/N: Hier ist mein erstes Drabble, dass im Rahmen der ersten Spring-Challenge zum 19. Song der Liste "Soak Up The Sun" von Sheryl Crow entstanden ist. Dabei kam dieses Double-Drabble heraus
„Ich kann nicht mehr“, erwidert er nach einer langen Zeit der Stille zwischen ihnen. Sie sah ihn mit traurigen Augen an und nickte. Er wusste, sie würde Verständnis haben – das hatte sie immer gehabt – selbst jetzt noch. Andererseits wusste er, dass ihr blasses Antlitz doch nur ein Echo ihrer selbst waren. Er lächelte müde und traurig, ehe er den Blick von der jungen Frau abwandte. Augenblicklich verblasste ihr Abbild und sie war fort.
Sein Blick glitt zu seiner Hand. Er hatte nicht mehr viel Zeit und selbst jetzt spürte er, wie ihm der Rest seines Lebens durch die Finger ran. So viele Jahre hatte er gehabt und jetzt ging ihm die Zeit aus. Es war eine traurige Lektion des Lebens, die er auf den letzten Schritten seines Weges zu lernen hatte.
Doch nur ein Narr glaubte wirklich, alles zu wissen. War er diesem Glauben erlegen?
Der alte Zauberer erhob sich und trat an das Fenster. Den ganzen Tag über hatten die Wolken die Sonne versteckt. Er jetzt begannen sie einander loszulassen, um die letzten Strahlen des Tages zu ihm zu lassen. Er schloss die die müden Augen unter der Halbmondbrille und spürte die zaghafte Wärme der Sonne zum letzten Mal.
A/N: Hier ist mein erstes Drabble, dass im Rahmen der ersten Spring-Challenge zum 20. Song der Liste "Smile" – Uncle Kracker entstanden ist. Dabei kam dieses Tripple-Drabble heraus
Was hatte sie denn nur falsch gemacht? Die Frage schwirrte der Aurorin im Kopf, seitdem sie ihrem Ehemann eröffnet hatte, dass sie ein Kind erwartete – von ihm. Wem auch sonst. Sie wusste nicht recht mit welcher Reaktion sie gerechnet hatte. Aber ganz sicher hatte sie nicht erwartet, dass er sie einfach stehen lassen würde. Lange genug hatte sie ihn überzeugen müssen, ihnen überhaupt eine Chance zu geben und jetzt nahm er die Füße in die Hände und ging einfach?
Tonks spürte bereits wieder die ersten zornigen Wogen in sich aufkeimen. Ohnehin wechselte sie seit Tagen zwischen Heulkrämpfen und Wutausbrüchen und beides ertrugen ihre Eltern mit einer unbändigen Geduld. Sie schlugen sich noch nicht einmal auf eine Seite, obwohl sie es selbst es sich vermutlich gewünscht hätte. Während für sie eine Welt zusammenbrach, die ohnehin längst drohte, in Dunkelheit und Grauen zu versinken, erhielten ihre Eltern einen winzigen Hoffnungsschimmer.
„Nymphadora“, rief ihr Vater plötzlich aus der Küche, „da kommt Besuch für dich!“
Ungewohnt schnell, aber dennoch überrascht sprang die junge Frau auf und wischte sich die salzigen Tränen des letzten Gefühlsausbruchs aus dem Gesicht. Kurz darauf hörte sie bereits das Geräusch des Schlosses und die gedrungenen Schritte ihres Mannes. Als dieser schließlich im Türrahmen des Wohnzimmers auftauchte, wiederstand sie nur mit Mühe ihrem ersten Impuls.
„Es tut mir leid, Tonks – ich bin da. Ab jetzt bin ich da. Für dich und das Baby“.
Tonks zögerte, ebenso wie Remus. Erst als er auf sie zutrat und sie sachte in den Arm nahm, meinte sie ein Gefühl der Erlösung in sich aufkeimen zu spüren. Etwas in ihr untersagte ihr, zu fragen, wo er gewesen war. Stattdessen löste sie sich und blickte ihm in die angsterfüllten Augen.
„Das machst du nie wieder mit mir“, stellte sie fest und umarmte mit ihn wieder.
Er lächelte.
A/N: Hier ist mein erstes Drabble, dass im Rahmen der ersten Spring-Challenge zum 14. Song der Liste 14. "Walking On Sunshine" von Katrina & The Waves entstanden ist. Dabei kam dieses Double-Drabble heraus
Er konnte sich gar nicht erinnern, dass er sich jemals so lebendig gefühlt hätte wie heute. Unverhofft kam oft – das hatte jedenfalls seine Urgroßtante immer gesagt. Offenbar steckte etwas Wahres in den Worten. Gestern Nacht noch hatten ihm seine Knie geschlottert. Wie immer hatte er sich in die engste und dunkelste Ecke seines verborgenen und von Schutzzaubern eingekreisten Kellerzimmers zurückgezogen – neben sich ein Glas Whisky um die Nerven zu beruhigen. Viele versteckten sich so einsam und allein wie er. Doch was sollte er auch tun – je mehr sie waren, desto einfacher war es auch, gefunden zu werden. Das wollte er nun aber ganz gar nicht. Sicher hätten seine Chancen nicht schlecht gestanden… andererseits hätte er auf eine milde Stimmung von ihm hoffen müssen. Wie sollte er sonst erklären, dass er sich nie Ihm-dessen-Name-nicht-genannt-werden-durfte angeschlossen hatte…
Doch nun schien das alles vorbei zu sein.
Endlich… Nun würde er endlich wieder ein Haus beziehen können. Ein echtes – keine Souterraindomizil zum Verstecken. Alle würden sie aus Ihren Löchern kriechen, an die Oberfläche zurückkehren und wieder einem geregelten Leben nachgehen. Er würde Quidditchspiele besuchen oder seine bescheidene Meinung zum Tagesgeschehen seiner Lieblingsabsolventin beim Tagespropheten zukommen lassen.
Horace Slughorn würde sich endlich wieder normal fühlen.
A/N: Hier ist mein erstes Drabble, dass im Rahmen der ersten Spring-Challenge zum 10. Song der Liste "Sonne" von Rammstein entstanden ist. Dabei kam dieses Double-Drabble heraus
„.. und alle warteten sie auf das Licht“, schloss er bedeutungsschwanger ab.
Es war wieder eine der Geschichten seines Großvaters gewesen, der er so gerne lauschte. Sie erzählten von Mut, einer Zeit der Dunkelheit und Angst – vom Untergrund und von der Notwendigkeit, Zuflucht zu suchen und sich zu verstecken. Eigentlich konnte er es gar nicht wirklich nachempfinden, doch wenn Grandpa George erzählte, meinte er immer ein wenig mehr hineingezogen zu werden. Erst das breite, freche Weasley-Grinsen, verwoben mit dem scheinbar widersprechenden traurigen Glanz seiner Augen riss den kleinen Rabauken aus dem Eindruck des abenteuerlichen Grauens.
„Na? Erschrocken?“, fragte sein Opa, auf dessen Schoss er saß.
Er wippte ihn aufmunternd auf und ab. Noch unter dem Eindruck des Gehörten wagte er kaum zu nicken.
„Na, na… die Geschichte ging gut aus. Weißt du doch!“, meinte der schlohweiß gewordene Widerstandskämpfer.
„Dann kam der sonnige Harry und vermöbelte die Bösen“.
Der kleine Junge kicherte verhalten.
„Das ist die stark vereinfachte Version, oder irre ich mich da?“ drang es aus dem Nebenraum zu ihnen. In der Tür erschien ein schlacksiger, älterer Herr im Tweetjacket. Die Haare grau und verstrubelt und einer Narbe auf der Stirn. „Manche Dinge kann man abkürzen“, erwiderte der Zwilling nur.
Es ist März und ein paar Frühlingsgefühle zu upbeat Musik sind mehr als erlaubt - erst recht im Geschriebenen, denn damit werden keine Viren übertragen. Also macht mit, lasst euch von der Muse küssen!
Fandom: ALLE Deadline: 31.05.2020
Regeln: Das hier ist eine Drabble-Challenge, das heißt: Stories müssen exakt 100 Wörter oder ein Mehrfaches davon (max. 400) lang sein! Ansonsten stehen alle Begriffe für alle offen - sucht euch was aus und schreibt dazu, was euch einfällt, egal ob auf Songzeilen bezogen oder auf den Titel oder auch einfach nur auf eine Assoziation damit. Dann postet eure Werke im entsprechenden Fanfic-Forum und meldet euch hier im Thread mit einem Link dazu. Am wichtigsten: Have fun!
Begriffe: 01. "Here Comes The Sun" – The Beatles 02. "Can’t Stop The Feeling" – Justin Timberlake 03. "April Come She Will" – Simon & Garfunkel 04. "Dancing In The Dark" – Bruce Springsteen 05. "Start Me Up" – The Rolling Stones 06. "Shiny Happy People" – R.E.M. 07. "Spring Fever" – Elvis Presley 08. "April in Paris" – Ella Fitzgerald und Louis Armstrong 09. "Beautiful Day" – U2 10. "Sonne" – Rammstein 11. "Happy" – Pharrell Williams 12. "California Gurls" – Kary Perry 13. "Best Day Of My Life" – American Authors 14. "Walking On Sunshine" – Katrina & The Waves 15. "All Summer Long" – Kid Rock 16. "Brighter Than The Sun" – Colbie Caillat 17. "Mambo No. 5" – Lou Bega 18. "Uptown Funk" – Mark Ronson ft. Bruno Mars 19. "Soak Up The Sun" – Sheryl Crow 20. "Smile" – Uncle Kracker 21. "Counting Stars" – OneRepublic 22. "The Lazy Song" – Bruno Mars 23. "Girls Just Want To Have Fun" – Cyndi Lauper 24. "I Can See Clearly Now" – Jimmy Cliff 25. "Brooklyn Baby" – Lana Del Rey
Was ist eine Challenge?
Eine Fanfiction-Challenge ist im Grunde Schreiben zu einem vorgegebenen Thema bzw. Themen. Was diese sind, hängt ganz von der jeweiligen Challenge ab.
Wie funktioniert das?
In einer Challenge werden Begriffe vorgegeben - meistens kann man aus mehreren auswählen, wozu man schreiben möchte. Außerdem gibt es meistens eine Begrenzung, was die Wortanzahl der Challenge-Beiträge angeht, sowie eine Deadline, bis wann man die eigene Challenge-Fic spätestens gepostet haben sollte. Der Challenge-Thread dient dabei als Übersicht und Anmeldung gleichzeitig.
Wie kann ich mitmachen?
Ganz einfach. Meldet euch einfach im Challenge-Thread mit dem Begriff, zu dem ihr schreiben wollt oder geschrieben habt, und schreibt drauf los!
A/N: Diese Vignette ist eigentilch Teil meines 2015er JE-Adventskalenders gewesen, allerdings auf Englisch. Sprich, auf Deutsch ist das hier die Erstveröffentlichung. Diese ganzen kurzen Sachen sind alle ohne Beta entstanden - alle Fehler oder Schwächen sind also ganz allein meine.
Raucherpause
Er würde bald wieder zurück nach drinnen gehen müssen.
Der kleine Park um ihn herum war eine dieser überall in der Stadt versteckten kleinen Ecken, die sowieso kaum jemand beachtete. Aber selbst wenn er besser besucht wäre, würde ihn hier niemand erkennen; es war Dezember und damit fiel genug Schnee, um zu rechtfertigen, dass er sich in jede Menge Lagen dicker Kleidung samt Mütze und Schal eingepackt hatte.
Er hatte unbedingt etwas Abstand zum Jimusho gebraucht für diese Raucherpause. Zum Atmen, zum Nachdenken. Um seine Gedanken von den verworrenen Gefühlen für seinen Bandkollegen abzulenken. Deshalb saß Nino jetzt alleine und in sich zusammengesunken hier auf dieser Parkbank. Beobachtete das unstete Glühen der Zigarette zwischen seinen steifen Fingern.
In den Straßen jenseits des Grüns war der gleichmäßige Strom aus Menschen zu einem versprengten Rinnsal abgeklungen. Eine Mutter schob einen Kinderwagen vor sich her; sie war schwer bepackt mit Einkaufstaschen und kämpfte gegen die Kälte an. Wahrscheinlich, um ihr Kind nach Hause zu bringen, um zurück zu ihrem geliebten Mann zu kommen, um ein wärmendes Essen für ihre Familie zu kochen.
Als er ihr so zusah, musste Nino leicht die Stirn runzeln. Wie es sich wohl anfühlen würde, jemanden wie sie zu haben, der zu ihm nach Hause kam, mit dem er vielleicht sogar liebevoll zusammen ein warmes Essen kochte? Natürlich hatte er schon öfter versucht, sich diese Art der Häuslichkeit vorzustellen, hatte sich manchmal danach regelrecht gesehnt.
Schließlich aber immer gewusst, dass er dafür nicht bestimmt war. Nicht als Teil von Johnny’s, nicht als Teil von Arashi, nicht als Person.
Nino war gut mit Kindern, auch wenn es ihm nie etwas ausgemacht hatte, keine eigenen zu haben. Was ihm etwas ausgemacht hatte, waren die wohl besorgt gemeinten Fragen seiner Kollegen gewesen, warum das denn so war. Besonders nachdem Jun einer dieser Kollegen gewesen war. Einer von denen, die niemals zu verstehen schienen. Scheinheilige Träumer. Glücklicherweise war Jun nicht nur ein hübsches Gesicht und ein knackiger Hintern, sondern auch ein sehr aufmerksamer kleiner Bastard; und so hatte er doch irgendwann aufgehört Nino zu löchern.
Es war trotzdem nicht genug.
Nino beobachtete ein eng aneinander geschmiegtes Paar an ihm vorbei laufen. Die Luft um ihn herum erzitterte geradezu von ihrem Kichern, ihrer Zweisamkeit, so glücklich und verliebt.
Nino wollte seine Augen und Ohren vor ihnen verschließen.
Als er plötzlich eine Hand auf seiner Schulter spürte. Er wandte sich um und konnte ausmachen, wie Jun ihn von unter seinem Hoodie sowie mehreren Schichten Schal anfunkelte. „Da bist du ja.“
Ninos Herz hämmerte in seiner Brust, selbst wenn wusste, er strahlte äußerlich Ruhe und, ja, sogar Gleichgültigkeit aus. „Da bin ich ja. War’s die ganze Zeit. Habt ihr nach mir gesucht?”
„Ich hab mir Sorgen gemacht, dass du hier draußen noch erfrierst.“ Nino konnte trotz des besorgten Tons Juns Feixen erahnen.
Einer Laune folgend, nahm er Juns behandschuhte Hand in seine kalten Finger. Jun entzog sie ihm nicht – und Nino wusste, vielleicht würde es nie genug sein – aber so wie es war, war es gut.
A/N: Auch diese Story ist im Zuge meiner kleinen Mini-Challenge anlässlich des NaNoWriMo 2019 entstanden, nachdem mich ja doch auch immer wieder die Neugier packt, wie das damals, beim Orden, alles abgelaufen sein könnte. Als Beta dafür trägt wie so oft Magss absolut Anteil daran, dass diese kleine Story besser ist, als sie hätte sein können – vielen Dank! You're amazing! Reviews sind <3 und Concrit ist immer willkommen. Enjoy!
Nicht nach Plan
Die Schlacht war vorbei. Die Nacht war zurückgekehrt und eine unnatürliche Stille hatte sich über alles gelegt. Eine bedrückende Stille. Keine fernen Motorengeräusche, keine ächzenden Gullis oder knirschenden Mülltonnen. Kein Luftzug, der die Blätter rascheln ließ. Selbst die Straßenlaternen waren immer noch erloschen.
James‘ schneller Atem kam ihm laut vor und er presste ganz bewusst die Lippen aufeinander. Lauschte, Zauberstab erhoben und im Anschlag.
Gerade eben noch waren hier Flüche geschrien worden und Zauber in hellen Lichtfontänen aufeinander geprallt. Gerade eben noch waren hier viel zu viele Todesser unterwegs gewesen, deutlich mehr als ihnen zuvor berichtet worden war. Zu viele.
Und doch stand er jetzt hier, bis auf einen blutenden Schnitt an seinem rechten Unterarm unversehrt. Vorsichtig trat er den Schritt zu dem dunklen Schatten auf dem Boden vor ihm, schob mit dem Schuh leicht dagegen. Nichts rührte sich sonst; auch der Schatten blieb regungslos.
James ging in die Hocke, immer noch lauschend, sich umsehend, bereit den nächsten Fluch gegen mögliche Angreifer zu schleudern. Aber da war nichts. Niemand. Nur Stille.
Er wusste, er sollte sich schnellstmöglich aus dem Staub machen. Wahrscheinlich hatten die Anderen genau das schon getan, weshalb er sie nicht mehr hörte. Desapparieren und zurück zum Treffpunkt.
Aber James war neugierig. „Lumos“, murmelte er, kaum hörbar. Die Spitze seines Zauberstabs glomm auf – schwach genug, dass es hoffentlich niemand sehen würde, wenn James die Hand davor hielt, aber stark genug, um wenigstens ein paar Details der leblosen Gestalt ausmachen zu können. So hielt er den schwachen Schein dorthin, wo er Kopf und damit Gesicht vermutete.
Von unter einer dunklen Kapuze blickte ihm eine knochenweiße Fratze augenlos entgegen, ähnlich einem Schädel und doch nicht anatomisch korrekt. Ein paar dunkle Spritzer waren darauf verteilt – wahrscheinlich Blut, ging es James durch den Kopf. Seine freie Hand griff nach der Fratze, zog sie zu sich und legte sie ab, ein dunkler Handabdruck die Spritzer überdeckend.
Unter der Maske fand er ein menschliches Gesicht, die Augen geschlossen. Der Todesser war etwa in James‘ Alter gewesen, auch wenn er ihn nicht erkannte. So jung…
James spannte den Kiefer an. Sie hatten alle noch so viel Leben vor sich, oder hofften es zumindest. Er wusste, er selbst hatte jede Menge Pläne für wenn dieser vermaledeite Krieg endlich vorbei wäre. Eine große, ausgiebige Rundfahrt mit Padfoots Motorrad. Viel Zeit mit Lily. Sie wollte ihn zum Zelten mitnehmen und er wollte ihr zeigen, wo er aufgewachsen war… Ob Todesser auch derlei Pläne hatten? Dieser? Ob er ein Mädchen hatte, mit dem er Pläne gemacht hatte? Das er beeindrucken wollte? Wie kam jemand in seinem eigenen Alter nur darauf, unbedingt Muggelgeborene umbringen zu wollen? Sich einem gefährlichen Psychopathen anzuschließen?
Mit einem leisen Seufzen richtete James sich wieder auf, löschte den Zauberstab: „Nox.“
Als er einen weiteren Schatten auf sich zu schleichen sah. Erneut ging er in Angriffshaltung, bereit den nächsten Fluch abzufeuern. Zumindest bis er das geraunte „Prongs!“ die dunkle Stille durchschneiden hörte.
„Padfoot?“, flüsterte er, stieg über den Toten und ging seinem besten Freund entgegen.
Bei ihm angekommen, umarmte Sirius ihn kurz, bevor er James am Handgelenk packte und mit sich zog. „Lily hat’s erwischt“, zischte er – und James kannte ihn gut genug, aus dieser kurz angebundenen Art die Sorge zu hören.
„Was?! Ist sie okay? Wo ist sie? Was ist passiert?“, waren die eilig geflüsterten Worte draußen, bevor er sie überhaupt bewusst in seinem Kopf geformt hatte. Lily! James wünschte sich in diesem Moment, einfach Licht machen zu können – doch das würde sie beide zu klar sichtbaren Zielscheiben machen.
Also beeilte er sich so, geduckt und auf seine Füße achtend, sich immer wieder umsehend. Es ging ihm nicht annähernd schnell genug! Er schob Sirius geradezu vor sich her, um möglichst schnell bei seiner Freundin anzukommen.
„Hinter dem Haus. Übler Schnittzauber.“ Sirius führte James gegen die Hauswand gedrückt einmal um das Haus herum, in den Garten. Am gegenüberliegenden Zaun konnte James ein paar dunklere Schemen ausmachen. Er meinte sogar ein leicht gehetztes Flüstern zu hören, auch wenn er die Worte nicht verstehen konnte.
Ein letztes Mal blickte James sich zum Haus um, das sie hoffentlich mit ihrer Aktion geräumt hatten, so dass es mit all der Ausrüstung darin gesprengt werden könnte und nicht mehr für die Todesser zur Verfügung stand. Still und dunkel ragte es aus dem Boden empor.
Dann hastete er hinüber zum Zaun. „Lily, was ist passiert? Hast du Schmerzen? Kann sie desapparieren?“, flüsterte er, die letzten Worte noch an Frank Longbottom gewandt, denn er war noch der letzte ihres Spähtrupps hier; wer sonst sollte sich also gerade um Lilys Wunden kümmern?
Als er sich neben die beiden kauerte, griff bereits eine zierliche Hand nach seiner. James gab sie Lily nur allzu bereitwillig. Drückte ihre Hand und versuchte stillzuhalten, trotz seiner Sorge um sie.
„Ich glaube, ich hab die Blutung soweit gestillt, dass sie transportfähig ist“, antwortete ihm Frank leise und sachlich. Die Spur Verzweiflung darin bildete James sich sicher nur ein.
Mehr Bestätigung brauchte er aber nicht. Vorsichtig legte er sich Lilys Hand in den Nacken und nahm sie mit den Armen unter Rücken und Kniekehlen auf. „Wir sehen uns am Treffpunkt“, verabschiedete er sich noch, in dem sicheren Bewusstsein, dass Sirius und Frank ebenfalls folgen würden.
Dann desapparierte er mit Lily in den Armen.
~*~*~*
„Sie hat wirklich verdammtes Glück gehabt.“ Marlenes Ton war eindringlich und, ja, vorwurfsvoll. Sie hatte James zur Seite gezogen, bevor er bis zu Lily gekommen war.
James wollte sich gar nicht ausmalen, was er getan hätte, wenn Lily eben kein Glück gehabt hätte. Wenn sie bei dieser Mission getötet worden wäre. Nein, er wollte gar nicht daran denken, drehte sich ihm doch innerlich alles, aber wirklich alles um dabei!
So nickte er zur Antwort, schenkte ihr ein trauriges Lächeln. „Ich weiß.“ Marlene musste etwas in seinen Augen gesehen haben, das sie ihre Hand von seinem Arm nehmen ließ.
Für einen kurzen Augenblick hielt James noch inne, sah zu dem Feldbett, in dem Lily lag, eine Wolldecke um sie gewickelt, und auf dem improvisierten Nachtkästchen daneben eine Vielzahl von Ampullen und Phiolen. Sie hatte wirklich Glück gehabt.
Als er sich zu ihr ans Bett setzte, blinzelte Lily leicht, bevor sie die Augen öffnete und seinem Blick begegnete. „Hey, Fremder“, flüsterte sie mit rauer Stimme.
„Hey“, erwiderte James, ein Lächeln ganz von selbst auf sein Gesicht tretend. Er nahm ihre Hand in seine beiden, fuhr gedankenverloren mit den Daumen darüber. „Wie fühlst du dich?“
Auch auf Lilys Gesicht war ein Lächeln getreten. „Es gab schon bessere Tage. Frank sagt, du hast mich zurück gebracht?“
James nickte. „Frank hat dich bereits erstversorgt. Was ist denn passiert?“
„Zweiter Todesser hat mich überrascht“, seufzte sie leise, versuchte es ganz offensichtlich weniger schlimm klingen zu lassen als es war.
„Feiglinge.“
Lilys Gesicht erhellte sich eine Spur weiter, wohl in dem Versuch eines kleinen Lachens. Bevor sie ungewohnt ernst wurde – James fragte sich, ob er etwas Falsches gesagt hatte. Oder ob noch mehr passiert war, von dem Lily niemand anderem hatte erzählen wollen… Er schluckte.
„James, ich muss dir was sagen.“
Oh verdammt, es war wirklich mehr passiert. Dieser dreckige Todesser hatte Lily angefasst, hatte sie…
Doch fuhr sie unbeirrt fort. „Wir bekommen ein Kind.“
Es war kein Vorwurf darin, kein Bedauern oder Schmerz. Es war nur absolut nicht das, was James erwartet hatte. Was hatte er erwartet? „Wir…? Also…“, versuchte er irgendwie Sinn aus ihren Worten zu machen, eigene Worte zu fassen zu bekommen.
„Ich weiß, jetzt ist nicht der beste Zeitpunkt, aber… Ich wäre beinahe draufgegangen. Das Kind wäre beinahe draufgegangen, ohne dass du… James, du und ich, wir werden Eltern.“
Wie konnte sie in diesem Moment so ruhig bleiben?! James wollte am liebsten aufspringen, ob in Panik oder Freude, da war er sich nicht sicher. Wollte herumlaufen, IRGENDWAS tun. Das… Er erinnerte sich daran, wie sehr er sich gebrüstet hatte, dass er den Verhütungszauber noch wusste, dass er nicht einmal nachsehen musste. Tja… so viel dazu...
Lilys Blick ruhte immer noch auf ihm und er fand sich dem gegenüber wie ein Reh im Scheinwerferlicht eines herannahenden Lastwagens.
Bis es einsickerte. Sie machte ihm keinen Vorwurf. Sie klang wenn überhaupt eher… beschützerisch? Besorgt? Etwa, dass er das Baby nicht haben wollen könnte? Sicher, es war Wahnsinn – sie waren gerade einmal 19; er hatte Lily noch so viel zeigen wollen, ungebunden und frei, wenn endlich Frieden wäre… Sie waren mitten im Krieg… Und doch. Und doch merkte James, wie sich einzelne Emotionen aus dem augenblicklichen Chaos heraus kristallisierten: Liebe. Stolz. Hoffnung.
James wusste, sein Lächeln war viel zu breit, aber seine Gefühle drohten sonst aus seiner Brust heraus zu platzen. Vorsichtig nahm er auch noch Lilys zweite Hand in seine. „Lily Evans, willst du mich heiraten?“